Freitag, 19. Januar 2018
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

Satellitenpositionierungsdienst SAPOS - Nutzen und Einsatzkriterien

SAPOS ist der Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landvermessung. Er wurde als Gemeinschaftsprojekt der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen (AdV) aller Bundesländer Deutschlands entwickelt, etabliert und wird von diesen auch gemeinsam unterhalten. Im Hinblick auf die Bedeutung für die Landwirtschaft stellt SAPOS einen Korrekturdatendienst dar, der unterschiedliche Arten von Korrektursignalen zur Minimierung der Fehlerquellen in der satellitengestützten Positionsbestimmung bereitstellt.

Korrigiert werden nicht nur die Signale der bereits etablierten Satellitenortungssysteme GPS und GLONASS, sondern auch Korrekturdaten für das europäisches Satellitennavigationssystem GALILEO sollen künftig im Leistungsspektrum des Satellitenpositionierungsdiensts der deutschen Landvermessung inbegriffen sein. Um die Fehler der Satellitensignale ermitteln und korrigieren zu können, verfügt SAPOS über ein deutschlandweites Netz ortfester Referenzstationen, die eine lückenlose Abdeckung der Landesfläche mit Korrekturdaten gewährleisten sollen.

Welche Korrekturdaten werden von SAPOS angeboten?

Grundsätzlich werden vom Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landvermessung zwei unterschiedliche Arten von Korrekturdaten angeboten. Dazu zählen Echtzeitkorrekturen und Postprocessing Korrekturen.

Da Postprocessing Positionierung (SAPOS - GPPS) der hochgenauen Koordinatenbestimmung durch eine nachträgliche Auswertung dient, eignen sich diese Korrekturen nicht für eine Nutzung in der landwirtschaftlichen Feldbewirtschaftung, sondern werden beispielsweise für Anwendungen wie Landesvermessung, Flurneuordnungen, Bauvermessungen oder wissenschaftliche und geodynamische Untersuchungen verwendet.

Für den landwirtschaftlichen Feldeinsatz sind die von SAPOS zur Verfügung gestellten Echtzeitkorrekturen EPS und HEPS interessant. EPS- und HEPS-Daten werden im gleichen Datenformat (RTCM) ausgesendet, unterscheiden sich aber in der Genauigkeit der Lagebestimmung. EPS erreicht wiederholbare Genauigkeiten von 0,3 bis 0,8 m, HEPS wiederholbare Genauigkeiten von 1 bis 2cm.

Wie können die angebotenen Korrekturdaten empfangen und verarbeitet werden?

SAPOS - EPS Daten können wie beispielsweise auch EGNOS Daten von einfachen Einfrequenzempfängern verarbeitet werden. Da EPS Daten nicht wie EGNOS Korrekturdaten via Satellit übertragen werden, sondern per Mobilfunk, ist für den Empfang ein GSM Modem sowie ein Ntrip - fähiges Endgerät erforderlich.

Auch SAPOS - HEPS Daten werden per Mobilfunk übertragen. Für Empfang und Verarbeitung der Korrekturdaten ist jedoch ein RTK - VRS Empfänger mit GSM Modem erforderlich.

Getreideernte mit RTK VRS

Fallen für die Nutzung von SAPOS Korrekturdaten Gebühren an?

Bis Oktober 2017 war die Nutzung von EPS und HEPS Daten gebührenpflichtig. Mit der Unterzeichnung des "Digitalisierungspaktes Land- und Forstwirtschaft" durch Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder werden für die Nutzung von HEPS Korrekturdaten in der Land- und Forstwirtschaft seit dem 1. Oktober 2017 in Bayern keine Gebühren mehr verrechnet. Der kostenlose RTK VRS Korrekturdatendienst von SAPOS steht bayerischen Land- und Forstwirten, aber auch landwirtschaftlichen Lohnunternehmen und Maschinengemeinschaften unter der Bezeichnung Landwirtschaftlicher Fahrzeugpositionierungsservice (LFPS) zur Verfügung.

Um den LFPS in Bayern nutzen zu können, müssen sich die Betriebe und Lohnunternehmer unter Angabe ihrer Betriebsnummer (soweit vorhanden) auf dem Online - Portal der bayerischen Vermessungverwaltung registrieren und ihre gewünschte Anzahl an Zugängen beantragen. Für die Anmeldung im Portal wird eine Verwaltungsgebühr von 50 € für einen Nutzungszeitraum des Korrektursignals von 3 Jahren erhoben.

Auch in den Bundesländern Thüringen und Rheinland - Pfalz ist die Nutzung von SAPOS Korrekturdaten mittlerweile kostenlos.

Was muss für eine Nutzung der kostenlosen LFPS Korrekturdaten beachtet werden?

Da es sich bei den kostenlos zur Verfügung gestellten Korrekturdaten um RTK VRS Daten handelt, die per Mobilfunk übertragen werden, können diese nicht mit kostengünstigeren Ein- oder Zweikanalempfängern empfangen und verarbeitet werden, sondern ausschließlich durch RTK VRS Empfänger mit integriertem Mobilfunkmodem. Die Möglichkeiten und Kosten einer technischen Aufrüstung einfacher Empfänger auf RTK VRS sollten immer mit Spezialisten (z.B. Hersteller) geklärt werden.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte unbedingt vor dem Maschinenkauf mit dem Händler oder Hersteller die Kompatibilität des Korrekturdatenempfängers in der Landmaschine mit LFPS (SAPOS HEPS) abgeklärt werden. Nicht jeder RTK VRS Empfänger verarbeitet den kostenlosen Korrekturdatendienst. In manchen Fällen können auch Freischaltungskosten vom Hersteller des Empfängers fällig werden, um HEPS nutzen zu können.

Zusätzlich ist darauf zu achten, dass Betriebe, die bereits RTK VRS Daten von anderen Anbietern beziehen und Ihre Feldstücke mit den entsprechenden Grenzen und Fahrspuren damit angelegt haben, unter Umständen mit einer Verschiebung der gespeicherten Konturen bei einer Umstellung auf LFPS Korrekturdaten rechnen müssen, da unterschiedliche Bezugssysteme (Koordinatensysteme) zu Grunde liegen könnten. Auch dieser Sachverhalt sollte vor einer Umstellung des Korrekturdatendiensts mit dem Hersteller des Empfängers diskutiert werden.

Stand: Dezember 2017; UR: Streicher, ALB Bayern