Donnerstag, 23. Mai 2024
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

Wo lässt sich beim Bau von Milchviehställen sparen?

Vorschläge von Ludwig Huber (AELF Traunstein)

Sorgfältig und detailliert planen

Mit am wichtigsten ist die Planung von Bauweise, Bauausführung und Bauablauf, die von den meisten Bauwilligen deutlich unterschätzt wird. Gute Planung braucht Zeit und macht viel Mühe. Besonders bei Einbeziehung der Altgebäude in das neue Baukonzept gibt es keine Lösungen von der Stange – hier ist die individuelle Planung ohne Zeitdruck durch nichts zu ersetzen.

Günstig einkaufen

Kosteneinsparung durch geschicktes Verhandeln erfordert völlig andere Fähigkeiten, als die Planung. Besonders die Stalltechnik wird häufig zu teuer eingekauft, weil die Verhandlungen oft erst laufen, wenn der Bau schon begonnen hat und der Betriebsleiter durch die Doppelbelastung bereits „mürbe“ ist. Man ist dann oft schon froh, alles Notwendige zeitgerecht auf der Baustelle zu haben und der geschulte Verkäufer trifft auf ein nahezu wehrloses „Opfer“. Harte aber faire Verhandlung kann dagegen viel Geld sparen und macht obendrein noch Spaß. Der Bauherr muss den Verkäufern von Anfang an signalisieren, dass Kostenersparnis für ihn sehr wichtig ist – gute Firmen stellen sich darauf ein und finden sparsame Lösungen. Für Stallbauer, die sich beim Verhandeln weniger wohl fühlen, bringen eine Einkaufsgemeinschaft oder ein guter Architekt, der die Ausschreibung übernimmt, besonders große Vorteile.

Altgebäude sinnvoll nutzen

Traunsteiner Konzept -  Melkzentrum im Bestand, Kühe im frei stehenden neuen Stall
Traunsteiner Konzept - Melkzentrum im Bestand, Kühe im frei stehenden neuen Stall
Auf den Höfen ist im Regelfall viel Altbausubstanz vorhanden. Die Alternativen lauten hier Abbruch oder Einbeziehen ins Baukonzept. Der Blick über den Zaun zeigt, dass z. B. auch in den USA von den besten Großbetrieben die Altgebäudesubstanz selbstverständlich weitergenutzt wird. Im Landkreis Traunstein hat es sich bewährt, die Funktionsräume für das Melken, Warten, Separieren und eventuell das Abkalben oder das Jungvieh in bestehenden Altgebäuden unterzubringen. Man spart sich teure Neubauten und kann die vorhandenen Massivbauten sinnvoll nutzen. Beim Melksystem mit Melkstand ist das deutlich einfacher möglich, als bei einem automatischen Melksystem/ Melkroboter.
Auf das Wesentliche konzentrieren
Einfachheit im Detail - Nackenriegel, Barrenwand, Aufstallung und Dach reduziert auf das Wesentliche
Einfachheit im Detail - Nackenriegel, Barrenwand, Aufstallung und Dach reduziert auf das Wesentliche
Das Weglassen nicht notwendiger Dinge ist zwar keine deutsche Tugend, aber es führt zu günstigeren Baukosten. Das Optimum liegt dort, wo gute Funktionalität und Tiergerechtheit mit minimalem Aufwand erreicht werden. Ein Beispiel ist der Verzicht auf ein Selbstfangfressgitter. Viele Milcherzeuger kommen ohne dieses gut zurecht, womit allerdings ein gewisser Komfortverlust verbunden ist. Verzichtbar sind in Fällen auch Lichtfirsthauben, technisch aufwendige Mechanismen zum Öffnen und Schließen der Curtains sowie bestimmte Zusatzausrüstungen bei der Melktechnik.
Eigenleistung erbringen

Die Betriebe unterscheiden sich stark, was ihre Möglichkeiten zur Mitarbeit beim Stallbau betrifft. Eigenleistung ist dann sinnvoll, wenn die Betriebsgröße gering ist, viele Familien‐Arbeitskräfte vorhanden sind und Erfahrungen als Bauhelfer vorliegen. Zudem erleichtern eigenleistungsfreundliche Bauweisen, wie geringe Gebäudehöhen durch aufgelöste Bauformen, die Mitarbeit des Unternehmerfamilie. Der Einsatz von Bauhelfern über den Maschinenring kann zu deutlicher Kostensenkung beitragen. Bauhelfer mit einer Ausbildung als Bauhandwerker dürfen aber nur eingesetzt werden, wenn eine fachkundige Bauleitung gewährleistet ist. Trifft das nicht zu oder tritt der Bauhelfer wie ein Bauunternehmer auf, handelt es sich um Schwarzarbeit mit allen negativen Folgen. Zudem schränken die immer strengeren Auflagen beim Bau die Eigenleistungsmöglichkeiten ein.

Erweiterungsmöglichkeiten vorsehen

Licht und Luft - der offene Stall eignet sich auch zur Erweiterung bestehender Anlagen
Licht und Luft - der offene Stall eignet sich auch zur Erweiterung bestehender Anlagen
Eine erweiterungsfähige Baulösung wird in der Regel zwar zunächst höhere Kosten verursachen als z. B. eine Umbaulösung in Ortslage, die keine Erweiterung mehr zulässt. Wenn der Milchviehhalter dann aber mit vergleichsweise geringem Aufwand weitere Kuhplätze schaffen kann, verteilen sich die bisherigen Baukosten auf mehr Kühe. Bei nicht erweiterungsfähigen Ställen werden weitere Aufstockungsschritte hingegen deutlich teurer.
Zusammenfassung:

Kostengünstiger Bau eines Milchviehstalls ist eine große organisatorische Leistung einer Milcherzeugerfamilie. Selten lassen sich alle genannten Möglichkeiten gleichzeitig nutzen. Wer aber die individuellen Möglichkeiten geschickt umsetzt, wird mit einer Kostensenkung belohnt, die über viele Jahre wirkt.