Freitag, 24. Mai 2024
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

Entwurf: Nina Plenk
(Studentin am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren - TUM)

Modulstall

Außenperspektive
Außenperspektive
…. die Weide in den Stall holen:
Quadratur des Kreises oder ein gelungener Kompromiss?

Einen Baukörper für eine Stallung von 150 Milchkühe nach den zugrundeliegenden baurechtlichen Gegebenheiten in eine bestehende landwirtschaftlich geprägte Bebauung einzugliedern war die Aufgabenstellung.

Unter bestmöglicher Berücksichtigung des Tierwohls soll eine Gliederung von Kleingruppen von 30-40 Tieren, ein hoher Liegekomfort (Tiefstreustall), optimale klimatische Bedingungen (Durchlüftung, geringer solarer Energieeintrag, Windschutz, Belichtung) und eine Beweidungsmöglichkeit geschaffen werden. Um diese Vorgaben in ein architektonisch stimmiges Konzept zu bringen, das diese Gliederung auch nach außen sichtbar macht, wurde ein modulares Konzept mit durchlaufendem Erd- und gegliedertem Obergeschoss gewählt. Funktionell und baulich in sich abgeschlossene Bereiche mit jeweils eigener Melkstation, Trockenstehbereich, Krankenbereich und eigenem Laufhof erlauben die Tierhaltung in Kleingruppen.
Vorteile des begrünten Flachdachs
Vorteile des begrünten Flachdachs
Die Entscheidung für ein begrüntes Flachdach ermöglicht eine optimale Isolierung gegen Sonneneinstrahlung bei gleichzeitiger Beschattung. Durch die jeweils umlaufende Lamellenverkleidung der Gebäudemodule wird eine ausreichende Durchlüftung, seitliche Beschattung und durchgängige Tageslichtbeleuchtung ermöglicht. Eine optionale Erweiterung um mehrere Module oder auch teilweise Stilllegung der Stallanlage ist dadurch jederzeit möglich. Der Standort für das neuzuerrichtende Stallgebäude im landwirtschaftlich geprägten Weiler Hübschenried, einer ehemaligen Schwaige am Westufer des Ammersees, wurde westlich des Baubestandes entlang einer Hangkante in Nordsüdausrichtung aus folgenden Gründen gewählt: Es besteht ein ausreichender Abstand zur vorhandenen Wohnbebauung im Südosten hinsichtlich Windrichtung, Lärm- und Geruchsemissionen.
Bauen am Hang
Bauen am Hang
Das Vieh hat unmittelbaren Weidezugang. Eine stallnahe Gewinnung und Lagerung des Futter- und Einstreumaterials ist gegeben. Ebenso ist die Erschließung über bestehende Wege und Zufahrten gesichert. Durch die Tieferlegung des Erdgeschosses wird eine optische Gliederung des Obergeschosses in Einzelkomplexe mit dazwischenliegenden Blickachsen ermöglicht.
Grundriss EG
Grundriss EG
Grundriss OG
Grundriss OG
Ansicht West
Ansicht West

Eingliederung in Landschaft und Bestand, Funktions- und Konstruktionsprinzipien

Neben den beschriebenen allgemeinen Lagekriterien ermöglicht die gewählte Hanglage trotz eines Hangeinschnittes von 2,90 m eine landschaftsschonende und kostengünstige Umsetzung, da der notwendige hangseitige Aushub mit der Anböschung auf der Ostseite des Gebäudes ausgeglichen werden kann. Der bei der Bebauung im flachen Geländeanfallende und teuer abzutransportierende Aushub für die Güllegruben entfällt am Hang somit komplett. Die lineare Gliederung in zweigeschossige Stallmodule und eingeschossige Funktionsbereiche mit vorgelagertem Gebäudeteil zur Unterbringung von Milchtank, Büro, Funktions- und Sanitärräumen auf der Südseite und Silolager auf der Nordseite ermöglichen kürzeste Wege und effektive Arbeitsabläufe mit jeweiligem Zugang für Futtergang / Strohlager an den Querseiten und Zugang für Entmistung an der Längsseite über dem Laufhof.
Durch Schaffung von insgesamt vier Melkstationen bei zwei Melkrobotern mit jeweiligen Wartebereichen wird den Tieren ein überschaubarer und stressfreier Zugang ermöglicht. Jeweils den einzelnen Herden zugeordnete eigene Trockensteh- und Krankenbereiche nehmen auf das Sozialverhalten der Tiere Rücksicht. Um bei der gewählten, begrünten Flachdachkonstruktion, die eine Lastübertragung einer Fläche von 22x18 m erfordert, wurde eine sich nach oben öffnende Balkenkonstruktion gewählt aus vor Ort vorhandenen Materialien mit Balkenstärken von 15x15 cm geschaffen. Dadurch ergibt sich ein Zwischenboden auf den Querträgern, der mittig das Strohlager und seitlich einen Besuchergang aufnehmen kann. Es wurde darauf geachtet, eine freie Tragweite der gesägten Balken von fünf Metern nicht zu überschreiten. Daraus ergibt sich ein Achsraster von 2,7 Meter in Längsrichtung und 2,8 Meter in der Breite. Die Dachlast wird pro Segment auf jeweils vier gerade und drei schräge Stützen direkt auf die Bodenplatte an vier Punkten übertragen. Die Querstabilisierung erfolgt durch die trapezförmige Anordnung der zentralen Stützen mit doppelter Verschränkung. Die Längsstabilisierung wird durch Längsbalken, die mit den Stützen der Längswände verbunden sind, hergestellt. Ziel war, eine maximal stabile und gleichzeitig filigrane Holzbalkenkonstukrion zu schaffen. Bei der Flachdachkonstruktion wird eine 2%ige, beidseitige Neugung durch jeweils abnehmende Höhen der Längsspanten erreicht, ausgehend von einem mittigen Firstspanten. Der Aufbau orientiert sich an den standardisierten Konstruktionsprinzipien: Auf einer den Spanten aufliegende Querlattung von acht Zentimeter Dicke liegt eine Abdichtungsfolie, eine Schutzlage, eine Wurzelschutz- und Drainageschicht, Filterflies, Substrat- und Vegetationschicht.
Querschnitt
Querschnitt
Ansicht Ost
Ansicht Ost
Längsschnitt
Längsschnitt