Sonntag, 29. Januar 2023
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

4. Online-Seminar der vierteiligen Seminarreihe "Regionales Bauen in der Landwirtschaft" am 09. Dezember 2021

BERICHT

Modulställe für die Milchviehhaltung

Referenten: Landwirt Sepp Stadler aus Tuntenhausen, Landwirt Andreas Pichl aus Frasdorf (beide Landkreis Rosenheim) und Bauberater Stefan Bauer vom AELF Holzkirchen

Sepp Stadler
Sepp Stadler
Andreas Pichl
Andreas Pichl
Stefan Bauer
Stefan Bauer

Zum vierten Seminartermin wurden zwei Modulställe aus Oberbayern vorgestellt. Frei stehende Pultdächer bilden jeweils zusammen den Stall. Die Dächer sind flach und wurden begrünt. Die klimatisierende Wirkung bietet im Hochsommer Schutz vor Überhitzung.

Zum „Regionalen Bauen in der Landwirtschaft“ schilderte Bauberater Stefan Bauer einleitend interessante Aspekte und Entwicklungen:

  • Die Region und die Landschaft sind nicht die Nebensache, sondern werden aufgewertet.
  • Man sieht wieder Kühe auf der Weide, der Stall nimmt sich zurück.
  • Holzbau mit regionalem, unbehandeltem Holz prägt die Bauformen.
  • Auch Betonbruch aus der Region oder Recycling-Betonbruch lässt sich einsetzen.
  • Regionales, sägeraues Holz wird für Verschalungen und anderes verwendbar.
  • Gebäudegruppen lassen sich platzsparend anordnen, um möglichst wenig Fläche zu überbauen.
  • Die vorherrschende Bauform sollte ein schmales Gebäude mit Satteldach sein.
  • Einfache, dienende, sich der Landschaft unterordnende Stallgebäude sind zu bevorzugen.
  • Ein vebessertes Stallklima wir möglich durch ein Gründach (verhindet Aufheizen des Stalls) und eine begrenzte Baulänge von etwa 20 Metern.
  • Ein Modulstall kann rund 15 % Baukosten je Quadramtmeter einsparen, Um- und Anbauten können günstiger, aber auch relevant teurer werden, ja nach Konzept.
  • Wo es geht, sollten Bestandsgebäude weiter genutzt werden.
  • Die Größe des Kuhplatzes sollte auf ein sinnvolles / notwendiges Maß begrenzt bleiben: die Förderung verlangt mind. 6 qm/Kuhplatz, der Bio-Standard liegt bei 10,5 qm/Kuh; es gibt aber bewusste Planungen mit 15, 18 oder 20 qm/Kuhplatz.
  • Ein einfacher Grundriss mit separatem Melkhaus spart Kosten.
  • Die Geländebeschaffenheit gehört in die Bauplanungen konzeptionell mit einbezogen.
  • Was vernachlässigbar ist, sollte weggelassen werden; Besinnung auf das Notwendige.

Betrieb Stadler: Milchviehstall aus drei frei stehenden Pultdächern

Der Stall von Sepp Stadler sieht so aus, als wäre mit dem Holzbau Grünland fünf Meter in die Höhe gestemmt worden.
Der Stall von Sepp Stadler sieht so aus, als wäre mit dem Holzbau Grünland fünf Meter in die Höhe gestemmt worden.

Fast unscheinbar erhebt sich der Stall für 80 behörnte Kühe, die mehr Platz als unbehörnte brauchen. Hinzu kommt das separate Melkhaus. Der Betrieb von Sepp und Uschi Stadler liegt auf rund 500 Meter Höhe. Sie bewirtschaften etwas über 60 ha Fläche, davon circa 20 % Kleegras. Neben dem vorrangigen Gründland wird noch etwas Ackerbau betrieben. Der Bruder veredelt in einer Käserei die gesamte Milch. An der alten Hofstelle im Ort gab es nach mehreren Umbauten und der Bio-Umstellung (1992) keine weiteren Ausbaumöglichkeiten. Als Weidebetrieb war zudem innerorts schwierig zu arbeiten. Aus diesen Gründen wurde beschlossen, auszusiedeln. Das Wichtigste nach der Auswahl des Bauplatzes und der Besichtigung von rund 50 Ställen war für den gelernten Maurer Sepp Stadler das genaue Messen der Flächen und Höhen und das Planen, um sich sprichwörtlich "nichts zu Verbauen" und auch, um bei der Erstellung des Unterbaus möglichst wenig Grund wegbaggern und abfahren zu müssen. Gestartet wurde mit dem Bau der separaten Heuhalle. Ein Jahr später kamen das ebenfalls separate Melkhaus und der Stall an die Reihe.

Der 73 Meter lange Stall wurde folgendermaßen konzeptioniert:

  • 60 bis 70 cm Unterbau in Eigenleistung: Ringleitung komplett rundherum 1,60 m tief, frostgeschützt für die Tränkebecken vergraben, Umwälzpumpe, sauber einsanden, aufkiesen, Recycling-Schotter (3.000 cbm) einbringen, Bodenplatte betonieren (keine Streifenfundamente), mit Bagger und Rüttelplatte sensorplaniert
  • Technikraum für alle Leitungen, alles geerdet
  • Grünes Flachdach, um im Sommer vor Hitze zu schützen
  • Wartebereich vor dem Melkstand
  • Kälber-Iglus, Abkalbeboxen, Bogey-Kälberboxen (erste 7 Tage), Tiefstreuboxen
  • Gemäß Bio-Vorgabe mindesten 10 qm/Kuh
  • Abgesichert für eine Schneelast von 180 kg/qm
  • Längsseits fast durchgängige, geschliffene Futterbahn (keine den Preis in die Höhe treibende Beschichtung, denn bei Heumilch-Gewinnung wird vom Vieh kaum Säure und höchstens gering Speichel gebildet)
  • Auf 1,80 m Höhe betonierte Säulen (damit das Vieh nicht an das anschließende Holz kommt)
  • Massive Nutz- und Feder-Deckenelementen aus Holz (längs verleimt, 10 cm stark) über je drei Binderfelder, verlegt wie ein Parkettboden, sehr stabil
  • Futter-Schieberbahn, die nach drei Jahren auf Grund von Glätte auf den äußeren vier Bahnen 6,5 bis 7 cm Muster/Besenstrich eingeschnitten wurde (Kosten knapp 5.000 Euro), ohne Eisenschienen (auch nicht im Schlitz in der Mitte, um Korrosion vorzubeugen (mit Eisen verdoppelte Kosten)
  • Mit kurz gehäckseltem und gemulchtem Stroh eingestreute Liegeboxen (Einstreu 1x / Woche im Sommer, 2x / Woche im Winter)
  • 17 cm Höhenunterschied zwischen Schieberbahn und Liegebox
  • Ebenerdiger Melkstand auf Naturboden (Porphyr-Steinplatten)

Bildergalerie zur Ausführung des Stalles:

Gemäß Auswertungen an der LfL ist ein separates Melkhaus kein Preistreiber, wie Stefan Bauer sagte. Im Gegenteil, werde es in den Stall integriert, würde die komplette Konstruktion komplexer und dies schlage sich auf die Kosten nieder. "Melkhaus, Milchkammer, Milchtankraum, Jungvieh und Kälber eng bei einander" war der Wunsch Sepp Stadlers, weil er so von kürzeren Wegen profitiert. Für den Bau des Melkhauses wurden Fertigteile eines Herstellers in der näheren Umgebung verwendet und ausbetoniert.

Grünes Dach für die optimale Klimatisierung

Beim Gründach ging Sepp Stadler so vor:

Das Gründach ist keine Intensivwiese; auf eine ausreichende klimatisierende Wirkung im Stall kommt es an.
Das Gründach ist keine Intensivwiese; auf eine ausreichende klimatisierende Wirkung im Stall kommt es an.
  • Die Holzdecke wurde mit wurzelechter Folie (2,5 mm, 35 x 7 m je Bahn) bedeckt und die Bahnen wurden verschweißt.
  • Eine Blechaufkantung und eine anschließende Filterschicht (verhindert Wurzelwachstum) umgibt beide Dachflächen.
  • Es wurde Erdreich bzw. Aushub mit sandigem Lehm vermischt. Zu einem Viertel wurde noch Humus hinzugefügt. Dieses Substrat wurde mit dem Schubkarren verteilt. Nach dem Absacken ergab sich ein Höhe von 8 bis 9 cm.
  • Auf dem ganz mageren Substrat darf wachsen, was wächst.
  • In den ersten zwei Jahren wurde die Vegetation nicht gemäht, im dritten Jahr wurde die abgefrorene Vegetation mit dem Staubsauger entfernt.

Gründach und Photovoltaik funktionieren nach Sepp Stadler nicht zusammen.

Betrieb Pichl: Modulstall für die Milchviehhaltung

Mit einem begrünten Dach gibt man der Natur einen Teil des Baulandes wieder zurück. Bei der Bevölkerung kommt das gut an.
Mit einem begrünten Dach gibt man der Natur einen Teil des Baulandes wieder zurück. Bei der Bevölkerung kommt das gut an.

Ca. 30 km vom Betrieb Stadler entfernt liegt der Hof von Andreas Pichl in Frasdorf. Dessen neuer Modulstall mit Gründach wurde im Jahr 2019 fertiggestellt. Bewirtschaftet werden 40 ha Fläche. Die alte Hofstelle in Umrathshausen war sehr beengt, so dass auch in diesem Beispiel eine Aussiedelung vorgenommen wurde. Der Bauplatz wurde nach Untergrund und vorhandener Erschließung (Wasser und Strom) ausgewählt. Er sollte so konzipiert sein, dass man die Kühe regelmäßig auf die Weide lassen kann. Die leichte Hanglage war gut, um die Güllegrube nicht so tief eingraben zu müssen und damit das Wasser sicher abläuft. Die Aussiedelung liegt ca. 300 m von der Hofstelle entfernt.

Andreas Pichls Stall wurde folgendermaßen ausgeführt:

  • Fress-Liegehalle mit Gründach (Riesel-, Dränschicht vor der Dachrinne)
  • Tiefboxen mit ausbetoniertem Kopfkasten, um Ratten zu vertreiben
  • Angehobener Fressplatz: der Antritt ist 1,65 m lang, so dass eine ganze Kuh darauf passt; dieser ist mit einfachen Gummimatten ausgelegt (Vorteile: Kuh steht beim Fressen klauenschonend auf weichem Untergrund und klauenkrankheitenvorbeugend mit den Hinterhaxen nicht bis über die Fesseln in der Gülle)
  • Empfehlung zum angehobenen Fressplatz: hinter jedem zweiten Fressplatz einen Trennbügel installieren
  • Schieberbahnen aus Beton-Fertigteilplatten (1 m lang x Schiebergangbreite), bereits werksseitig mit 2 cm-Längsrillen, auf Splitt verlegt und nach dem Betonieren von Fachfirma verfugt (Kostenpunkt), mit Kammschieber, der die Rillen ausputzt (Harn läuft rein, Kühe sind sauber)
  • Eine Leitung für alle Tränkebecken (Heizung wird nachgerüstet, Start bei –7 °C Lufttemperatur)
  • Übergänge der einzelnen Schieberbahnen zur nächsten großzügig und breit gestaltet
  • Folienrolltore vor den beiden Stalleingängen
  • Viele Ständer im Stall im Rastermaß 5,25 m, selbst verschalte Betonsäulen und darauf mit Balkenschuhen (vier Gewindestangen und Bolzen zur Befestigung) verbundene schräge Holzsäulen, um erstens mit dem Traktor durch den kompletten Stall, auch auf der Schieberbahn durchfahren zu können, und um die Lastverteilung der Leimbinder des Dachs auszugleichen (Verringerung der Spannweite)
  • Als Dach wurden auf die Leimbinder 28 mm stark geschnittene und gehobelte Bauholzbretter genagelt (Statik mit höherer Schneelast als beim Betrieb Stadler)
  • Überstand der Koppelpfetten gleicht den Druck aus, der auf der Mitte der Pfetten entsteht; Dachöffnung über dem Schiebergang circa 1,12 m breit, Futtertisch liegt schlagregengeschützt darunter, bei ganz normalem Regen werden die Kühe noch nicht einmal nass
  • Ein etwas höher als der Kuhstall gebautes Melkhaus mit etwas steilerem Blechdach (Photovoltaik-Anlage nachrüstbar) und höherer Traufe für Durchfahrten sowie einem Wartebereich als Dreiviertelkreis mit selbstgebautem, festinstalliertem Schieber (großer Arm), der nach dem Melken die Gülle abschiebt
  • Betonierter Fischgrät-Melkstand (außen 40 mm PU-Dämmung, Kunststoffplatten aufgeklebt und mit Alu-Flachprofilen verschraubt) und überdachter Rücktrieb in den Stall; die Melkstanddecke aus Sandwichpanelen (zwei Lagen Blech, dazwischen 40 mm PU-Schaum), die im Sommer aufzuschieben sind, um Luft hereinzulassen
  • Es wird manuell gemolken, nicht computergesteuert
  • Wartebereich für 60 Kühe mit eingedrücktem Betonmuster
  • Rücktrieb aus dem Melkstand wird als Funktionsbereich zur Separation und Klauenpflege genutzt (einfach gebaut mit Blechdach)
  • Kälberstall mit Kälber-Iglus hinter dem Melkstall unter demselben Dach in witterungsgeschütztem Innenhof und von der Milchkammer aus leicht erreichbar (auch bei Eis und Schnee, sehr wichtig), um eventuell die Kälbermilch per Handwagen in die Kammer zu fahren
  • Alle warmen Räume wie die Milchkammer sind in Holzständerbauweise ausgeführt
  • Verschließbare, robuste, wetterfeste Westseite mit Schalung und Curtains (Vorhänge im Sommer zu öffnen, damit Luft durchströmen kann)
  • Zufahrt von der Straße an der Nordseite des Stalls
  • Auf der Südseite des Stalls ein weiterer Laufhof mit Schieberbahnen (Raster 5,25 m)

Bildergalerie zur Ausführung des Stalles:

Als Substrat für das Gründach wurde der Erdaushub aufgebracht (humus- und steinarmes Unterbodenmaterial)
Als Substrat für das Gründach wurde der Erdaushub aufgebracht (humus- und steinarmes Unterbodenmaterial)

Optimale Stallklimatisierung durch ein Gründach

  • Auf das Holzdach wurde Teerpappe aufgebracht. Eine Bitumenunterlagsbahn wurde mit dem Holz verflämmt und als Wurzelsperre eine weitere doppelt, miteinander verklebte Bitumenflämmpappe mit Beschieferung aufgebracht.
  • Seitlich wurde zur Einfassung Holz aufgenagelt. Darauf kam eine Bitumenpappe die mit Metallwinkeln zum Anheben der Dränschicht verklebt wurde.
  • Als Schutz vor Einwurzeln wurde eine Lage Geovlies verlegt.
  • Es wurden keine Pflanzen eingesät. Das Gründach ist bisher sehr pflegeleicht und wurde nicht bewässert.
  • Der Hitzeschutz durch die Erdschicht ist sehr gut

Zur Wirtschaftlichkeit

Zur Wirtschaftlichkeit des Stalls gab Pichl den Seminarteilnehmern zu bedenken, dass sich bei einem Stallbau ohne feste Bindung an ein Unternehmen dem Betriebsleiter viele Schrauben bieten, an denen er "drehen" kann, um günstig zu bauen. "Man muss aber auch jede dieser Schrauben selbst drehen, es ist dann keiner mehr da, der groß weiterhilft", sagt er. Die Kosten des Gründachs verteuern sich seiner Meinung nach eher dadurch, dass die Statik berechnet und der Unterbau stärker ausgeführt werden muss. Als Dacheindeckung ist das Gründach nicht kostenintensiver als ein Sandwichdach, bringt aber den nicht zu verachtenden Effekt der optimalen Stallklimatisierung.

Berichterstattung:
E. Hormes, K. Elbs, M. Müller

ZUM FACHVORTRAG

Modulställe für die Milchviehhaltung

Referenten: Sepp Stadler, Andreas Pichl und Stefan Bauer


VERANSTALTER

  • Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V. (ALB)
  • Bayerische Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF)

Kooperationspartner

  • Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V. (LKV)
  • BBV Landsiedlung GmbH, München
  • BBA Baubetreuung GmbH, Amerang

Finanzielle Förderung

Die Online-Seminare erfolgen mit finanzieller Unterstützung durch das Bayerische Staatministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).