Dienstag, 12. November 2019
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

Kompostierungsställe managen

Workshop mit Fachleuten für Praktiker, Neueinsteiger und Interessierte

Am 13./ 14. März 2019 in Weichering

"Für mich ist das die erste landwirtschaftliche Veranstaltung in letzter Zeit, die positiv beginnt!" Mit diesen Worten eröffnet Joachim Weber, Leiter des Fachzentrums Rinderhaltung am AELF Schweinfurt das zweitägige Seminar "Kompostierungsställe managen" in Weichering bei Ingolstadt. 84 Teilnehmer, darunter 65 Landwirte und 10 Berater aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland sind angereist, um die seltene Gelegenheit zu nutzen, sich mit Fachleuten und Praktikern über dieses alternative Stallsystem auszutauschen. Mit seinen Worten zielt Joachim Weber auf das enorme Interesse und die Faszination, die viele Landwirte ergreift, sobald sie sich mit dem Thema Kompostierungsstall näher beschäftigen.

Die Veranstalter (v. l.): Joachim Weber, Leiter Fach-zentrum Rinderhaltung am AELF Schweinfurt und Dr. Martin Müller, Geschäftsführer ALB Bayern e.V.
Die Veranstalter (v. l.): Joachim Weber, Leiter Fach-zentrum Rinderhaltung am AELF Schweinfurt und Dr. Martin Müller, Geschäftsführer ALB Bayern e.V.

Kompostierungsställe sind – zumindest in Deutschland – noch relativ neu, entsprechend rar sind Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen hierzulande. Mit Sibylle Möcklinghoff-Wicke vom Innovationsteam Milch Hessen und Siegfried Holzeder, Bauberater an der Landwirtschaftskammer Oberösterreich konnten zwei erfahrene Experten gewonnen werden, die sich schon seit Jahren intensiv mit diesem Stallsystem beschäftigen – sowohl in der Praxis als auch im Forschungsbereich. Etwa Hundert solcher Ställe gibt es mittlerweile in Österreich, die Zahl in Deutschland beziffert Sibylle Möcklinghoff-Wicke auf etwa 50-80. Aber was genau ist ein Kompostierungsstall?

Der Kompostierungsstall ist ein Freilaufstall, bei dem die Einstreu zum überwiegenden Teil aus Holzsubstrat (Sägespäne, Hackschnitzel) besteht. Der anfallende Kot und Urin der Tiere wird unter Sauerstoffzufuhr mit Hilfe von Grubber oder Fräse in das Substrat eingearbeitet. Damit wird ein Heißrotteprozess in Gang gesetzt, der als Endprodukt Kompost liefert. Dieser Kompost hat für den Landwirt mehrere Vorteile:

Die Referenten (v. o.): Sibylle Möcklinghoff-Wicke vom Innovations-team Milch Hessen, Siegfried Holzeder - Bauberater an der Landwirtschaftskammer Oberösterreich und Maria Lorenz vom AELF Schweinfurt
Die Referenten (v. o.): Sibylle Möcklinghoff-Wicke vom Innovations-team Milch Hessen, Siegfried Holzeder - Bauberater an der Landwirtschaftskammer Oberösterreich und Maria Lorenz vom AELF Schweinfurt
  • Die hohe Hitzeentwicklung beim Kompostiervorgang hygienisiert das Substrat, die meisten bekannten Schad- bzw. Krankheitserreger werden abgetötet.

  • Die Tiere gehen und liegen auf einer elastischen, sauberen und trockenen Unterlage, die den Bewegungsapparat schont und den Liegeansprüchen der Tiere voll entspricht. Tierwohl, Tiergesundheit und Milchleistung verbessern sich deutlich.

  • Der Kompost liefert einen wertvollen Wirtschaftsdünger mit günstigem pH-Wert, der direkt vom Stall auf das Feld ausgebracht werden kann.

  • Die N-Verluste sind wegen des Kompostierens geringer als bei herkömmlichen Haltungsformen. Der Stickstoff wird im Substrat gebunden und kann als Dünger mit Langzeitwirkung im Boden wieder mineralisiert werden.

Wer auf dieses Stallsystem umstellen und es erfolgreich betreiben will, muss sich allerdings mit verschiedenen Anforderungen auseinandersetzen: Die Kompostierung ist ein Prozess, bei dem alle Parameter gut aufeinander abgestimmt sein müssen und die von Betrieb zu Betrieb ganz unterschiedlich sind – Stallbau, Besatzdichte, Zusammensetzung und Qualität des Holzsubstrats, klimatische Bedingungen und die Art der Kompostbearbeitung sind Faktoren, die über den erfolgreichen Aufbau der Kompost-Liegematte entscheiden. Die Wirtschaftlichkeit des Systems hängt von der Verfügbarkeit preiswerter Sägespäne oder Hackschnitzel ab, so dass es nur für Betriebe mit entsprechend sicheren Bezugsquellen rentabel sein dürfte.

Betrachtet man die Ausgangsstoffe Holzsubstrat und Tierausscheidungen, so handelt es sich dabei um Wirtschaftsdünger, der unter die Düngeverordnung fällt. Das Endprodukt ist nach aktueller Rechtslage ebenfalls als Wirtschaftsünger zu werten, nicht als Kompost. Werden Komponenten des Komposts als Einstreu für die Tiere in den Betrieb eingebracht bzw. zugekauft mit der Absicht, den daraus entstehenden Kompost auf den eigenen Flächen auszubringen, handelt es sich bei dem Kompost rechtlich betrachtet weiterhin um Wirtschaftsdünger (Information der LfL, Stand: April 2019). Wird der entstehende Kompost dann allerdings verkauft, ist er aus rechtlicher Sicht nicht mehr als Wirtschaftsdünger, sonder als Bioabfall zu werten. Hierfür gelten nochmals andere gesetzliche Regelungen.

Diese und viele weitere Aspekte und Erkenntnisse wurden im Workshop "Kompostierungsställe managen" ausführlich besprochen und diskutiert. Wir haben sie noch einmal zum Nach- oder Einlesen in einem Beratungsblatt für Sie zusammengefasst.

Zum Beratungsblatt "Kompostierungsställe managen"

TEILNEHMER DES WORKSHOPS MELDEN SICH ZU WORT

Um zu den Zitaten der Teilnehmer zu gelangen, klicken Sie bitte auf eines der Bilder.

PROGRAMMPUNKTE

1. Tag

PUNKT 1: Begrüßung und Eröffnung; Joachim Weber, AELF Schweinfurt und Dr. Martin Müller, ALB Bayern e.V.

PUNKT 2: Der "Wohlfühlstall" - Kompostierungsställe national/ international, Übersicht wissenschaftliche Ergebnisse; Sibylle Möcklinghoff-Wicke, Innovationsteam Milch Hessen

PUNKT 3: Die Rotte; Maria Lorenz, AELF Schweinfurt

PUNKT 4: Betriebsbesichtigung: Landwirtschaftsbetrieb mit Kompostierungsstall und Direktvermarktung im Lks. Eichstätt

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2. Tag

PUNKT 5: Mehr Tierkomfort in Kompostierungsställen? Management der Liegeflächen, Stallbau; Sibylle Möcklinghoff-Wicke, Innovationsteam Milch Hessen

PUNKT 6: Kompostmist aus pflanzenbaulicher Sicht; Maria Lorenz, AELF Schweinfurt

PUNKT 7: Controlling (Möglichkeiten)

PUNKT 8: Beurteilung von mitgebrachten Kompostproben, Siegfried Holzeder, LWK Oberösterreich

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PUNKT 9: Der Kompostierungsstall - Tipps der Bauberatung und Erfahrungen aus der Praxis; Siegfried Holzeder, LWK Oberösterreich

PUNKT 10: Rechtliche Rahmenbedingungen; Maria Lorenz, AELF Schweinfurt

PUNKT 11: Ökonomiesche Betrachtungen; Sibylle Möcklinghoff-Wicke, Innovationsteam Milch Hessen

Zu den Vorträgen "Kompostierungsställe managen" vom 13./ 14. März 2019 in Weichering

IMPRESSIONEN

Zum weiteren Erfahrungsaustausch der Workshop-Besucher wurde eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, an der sich rund 30 Personen beteiligen (Stand: April 2019).


Veranstalter

  • Fachzentren für Rinderhaltung in Bayern; stellvertretend Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt
  • ALB Bayern e.V.

Kooperationspartner

Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V.