Mittwoch, 25. November 2020
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

Beratungsblatt

Kulturartbezogene Kennzahlen

Fachliche Grundlagen zur Bewässerungs-App, Teil 1

Stand: April 2020

Autoren:
Dr. Martin Müller, ALB Bayern e.V.
Prof. Dr. Jana Zinkernagel und Jürgen Kleber, Hochschule Geisenheim University
Ekkehard Fricke, Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK NS)
Dr. Michael Beck, Hochschule Weihenstephan Triesdorf(HSWT)
Markus Göttl, AELF Deggendorf

In dem Beratungsblatt werden pflanzenbauliche Grundlagen zur Funktionsweise der Bewässerungs-App beschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf kulturartspezifischen Zusammenhängen und Einstufungen.

Folgende Punkte werden behandelt:

  • Kurzbeschreibung des Funktionsumfangs der Bewässerungs-App
  • Wasserverbrauch durch Verdunstung
  • Berechnung des Wasseranspruchs eines Pflanzenbestandes
  • Einfluss der effektiven Wurzeltiefe auf die nutzbare Feldkapazität
  • Berechnung des Aneignungsvermögens eines Pflanzenbestandes aus dem pflanzenverfügbaren Bodenwasservorrat
  • Bewässerungsschwellen und Wasserangebotsstufen
  • Bewässerung mit begrenzter Wasserverfügbarkeit oder mit Herabstufung des Wasserangebots

Die Bewässerungs-App unterstützt den sachgerechten und zugleich sparsamen Wassereinsatz, und wurde für ein Bewässerungsmanagement nach dem Prinzip einer "Defizitbewässerung" konzipiert. Pflanzen passen Ihren Wasserverbrauch dem Angebot an. Bei knappem Angebot werden Mechanismen aktiviert, welche die Effizienz der Wassernutzung durch die Pflanzen steigern. Das kann in einem gewissen Bereich Wasser sparen, ohne dass es zu nennenswerten Ertrags- und Qualitätsrückgängen kommt. Der Versorgungsgrad eines Pflanzenbestandes lässt sich anhand der vom Anwender gewählten Bewässerungsschwelle in % nFK, und durch eine Anpassung der Wasserangebotsstufe steuern.

Wenn der pflanzenverfügbare Bodenvorrat zu dem im System festgelegen Anteil entleert ist - dies entspricht einem Unterschreiten der gewählten Bewässerungsschwelle - erfolgt die Systemempfehlung, zu bewässern.

Grundsätzlich gilt: Je geringer die gewählte Bewässerungsschwelle, ab der bewässert wird ist, desto kleiner wird der kalkulierte Bewässerungsbedarf insgesamt. Zum einen deshalb, weil der natürliche Bodenwasservorrat stärker ausgeschöpft wird. Zum anderen, weil mit sinkender Bodenfeuchte das Aneignungsvermögen der Pflanzen und in der Folge die Wasseraufnahme, die Verdunstung und somit der Wasserverbrauch zunehmend eingeschränkt sind.

Welcher Grenzwert im Einzelfall sinnvoll ist, hängt unter anderem von der betrachteten Kulturart, der Verwertung des Erntegutes, der Art der eingesetzten Technik, den verfügbaren Wasserressourcen und der vorhandenen Schlagkraft des Betriebes ab. Deshalb kann es durchaus sinnvoll sein, die im System hinterlegten Voreinstellungen der betriebsspezifischen Situation gemäß anzupassen.

Je geringer die gewählte Wasserangebotsstufe der Erzeugung ist, desto geringer ist der kalkulierte Wasserverbrauch des betrachteten Pflanzenbestandes. Es können die Wachstumsgeschwindigkeit und das Ertragsniveau sinken und es steigen die Risiken bezüglich der erzeugten Qualitäten.

Die geeignete Wasserangebotsstufe ist betriebsspezifisch zu wählen. Sie liegt im individuellen Ermessen und muss an die Intensität aller anderen Produktionsfaktoren, insbesondere an die Düngung und den Pflanzenschutz angepasst sein. Außerdem sind die Qualitätsansprüche an das Erntegut in besonderem Maße zu berücksichtigen.

Zum Beratungsblatt


Erste Auflage
Umfang: 16 Seiten
Link: www.alb-bayern.de/bef2


Zur Bewässerungs-App

Weiterführende Beratungsblätter

Funktionsweise der Bewässerungs-App Fachliche Grundlagen zur Bewässerungs-App:
Teil 2: Boden und Verteiltechnik bezogene Kennzahlen