


Pflanzenschutztechnik - Trends und Entwicklungen
Landshuter Landtechniktag am 30. Januar 2026 an der Landmaschinenschule in Schönbrunn
Moderne Pflanzenschutztechnik: Präzision, Praxis und Verantwortung
Beim Landshuter Landtechniktag am 30. Januar 2026 diskutierten Fachleute aus Forschung, Industrie und Praxis aktuelle Entwicklungen in der Pflanzenschutztechnik. Veranstaltet wurde die Tagung von der Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern (ALB) gemeinsam mit der Landmaschinenschule Schönbrunn, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und dem Erzeugerring für Pflanzenbau Niederbayern.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie moderne Technik dazu beitragen kann, Pflanzenschutzmittel gezielter einzusetzen, Wirkstoffe zu sparen und gleichzeitig Erträge zu sichern. Neue Systeme machen Pflanzenschutz zunehmend präziser und datenbasierter, erhöhen aber auch Anforderungen an Investitionen, Management und Beratung.

FACHVORTRÄGE
Techniktrends und Entwicklungen im chemischen Pflanzenschutz
Werner Heller, LfL
Bits gegen Beikraut: Forschung zur präzisen Unkrautkontrolle
Johanna Pfrombeck, LfL
Erfahrungen, Lösungsansätze und Entwicklungsphilosophien aus Sicht der Industrie
Jens Fehl, Horsch Leeb Application Systems
Chemisch-mechanische Verfahren der Unkrautregulierung in Zuckerrüben - ein Projektbericht
Jakob Berg, Verband bayerischer Zuckerrübenanbauer
Praktikerbericht zum modernen Pflanzenschutz
Barbara Steinberger, Landwirtin und Agrarinfluencerin
Mehr Präzision bei der Ausbringung
Aktuelle Entwicklungen bei Feldspritzen zielen vor allem auf eine präzisere Applikation. Ein geringerer Düsenabstand ermöglicht niedrigere Arbeitshöhen und reduziert die Abdrift. Mehr Düsen verbessern die Querverteilung und die Bestandsdurchdringung. Zugleich steigt mit kleinerem Durchsatz je Düse aber auch die Verstopfungsgefahr, weshalb eine entsprechende Filtertechnik notwendig ist.
Auch Pulsweitenmodulation gewinnt an Bedeutung: Dabei werden Düsen mit Frequenzen zwischen 10 und 100 Hertz schnell ein- und ausgeschaltet, wodurch sich die Ausbringmenge z. B. bei Kurvenfahren düsenspezifisch exakt regeln lässt. Das Tropfenspektrum und der Druck bleiben hierbei durchgehend unverändert auf optimalem Niveau für Benetzung und Abdriftminderung.
Bandspritzung und Kombination mit Hacktechnik
Ein weiterer Ansatz ist die Bandspritzung in Kombination mit mechanischer Unkrautbekämpfung. Durch moderne Technik gewinnt das altbekannte Verfahren wieder an Bedeutung.
Chemische und mechanische Maßnahmen können heute zeitlich getrennt stattfinden, sodass sowohl optimale Bodenbedingungen für die Hacke als auch geeignete Einsatzbedingungen für den Pflanzenschutz genutzt werden können. Voraussetzung dafür ist höchste Präzision: exakte Sätechnik, kameragestützte Reihenführung, Verschieberahmen sowie eine sehr präzise Gestängeführung mit konstant gehaltener Düsenhöhe.
Praxisversuche zeigen, dass bei 75 cm Reihenabstand und 20 cm Spritzbandbreite etwa 60 % Herbizid eingespart werden können.
Spot- und Patch-Spraying
Zunehmend kommen auch teilflächenspezifische Verfahren zum Einsatz. Beim Offline-Verfahren werden mithilfe von Drohnenbildern Unkrautkarten erstellt, die später von der Spritze abgearbeitet werden. Die Qualität der zugrunde liegenden Algorithmen ist dabei entscheidend. In Praxisbeispielen konnte die behandelte Fläche etwa bei der Distelbekämpfung von 100 % auf rund 15 % reduziert werden.
Online-Systeme arbeiten dagegen direkt am Spritzgestänge mit Kameratechnik und erkennen Unkräuter in Echtzeit. Sie sind zwar technisch aufwendiger und kostenintensiver, ermöglichen jedoch durch die punktgenaue Steuerung der Ausbringung maximale Kulturschonung. Das Ergebnis sind oft höhere Erträge und Qualitäten.
Precision Farming und Robotik
Die vorgestellten Technologien bilden die Grundlage für Precision-Farming-Konzepte. Ziel ist ein gezielter, reduzierter Mitteleinsatz bei gleichzeitig besserer Wirkung und geringerer Belastung von Kulturpflanzen und Umwelt. Gerade im Grünland kann die punktuelle Bekämpfung von Ampfer eine neue, praktikable Lösung darstellen, da eine flächendeckende Pflanzenschutzanwendung des Grünlands in Bayern nicht zulässig ist.
Neue Anforderungen an Betriebe und Beratung
Der technologische Fortschritt bringt neben neuen Möglichkeiten auch zusätzliche Herausforderungen mit sich. Moderne Pflanzenschutztechnik ist häufig investitionsintensiv und erfordert ein gutes Verständnis der eingesetzten Systeme.
Zudem wurde angemerkt, dass technische Entwicklungen teilweise später zu gesetzlichen Anforderungen werden können. Für Betriebe bedeutet dies steigende Kosten sowie höhere Anforderungen an Organisation und Technikmanagement.
Fazit
Innovationen im Pflanzenschutz setzen klar auf Präzision, Digitalisierung und Wirkstoffreduktion. Sie ermöglichen einen gezielteren Mitteleinsatz und können zur Schonung von Kulturpflanzen und Umwelt beitragen.
Entscheidend für den Erfolg bleibt jedoch das Zusammenspiel von moderner Technik, pflanzenbaulichem Know-how, betrieblichem Management und qualifizierter Beratung, die Entwicklungen realistisch einordnet und praxisnah begleitet.
MASCHINENPRÄSENTATIONEN AM NACHMITTAG
- agrotop GmbH, Lechler GmbH: Aktuelles aus der Düsentechnik
- Kverneland Group: iXflow-E Hochdruck-Zirkulationssystem, iXflow-Pulse - Pulsweitenmodulation,
Kverneland SpotSpray - AMAZONEN-WERKE H. DREYER SE & Co. KG: AmaXact – Pulsweiten-Frequenzmodulation, WeedDetector zur Spotapplikation im Grünland, Patch- und Spotspraying
- Horsch Leeb Application System GmbH: Agritechnica Silbermedaille „Verbesserte Gestängeführung“, Reihenspritzung in Kombination mit Hacktechnik (Projekt Zuckerrübe)
- SAM-DIMENSION GmbH: Erstellung von Karten zur teilflächenspezifischen Unkrautregulierung






VERANSTALTER
- Landmaschinenschule des Agrarbildungszentrums in Landshut / Schönbrunn
- Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.
Kooperationspartner
- Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft
- Erzeugerring für Pflanzenbau Niederbayern
