Dienstag, 23. Juli 2019
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

Einsatzbereiche unterschiedlicher Satellitenortungssysteme

Unterschiedlichste Anwendungsbereiche im landwirtschaftlichen Pflanzenbau von der Bodenbearbeitung und Aussaat über die Bestandespflege und Düngung bis hin zur Ernte stellen auch unterschiedliche Anforderungen an die Präzision von Satellitennavigationssystemen. Bei vielen Anwendungen reichen eine gute relative Genauigkeit oder auch eine hohe Spur-zu-Spur Genauigkeit bezogen auf die zuletzt ermittelten Positionen aus. Ausschlaggebend bei der Wahl des entsprechenden Genauigkeitsmaßes ist die angestrebte Wiederholbarkeit von Abläufen über Monate und Jahre hinweg.

Möchte man Abläufe in der Feldbewirtschaftung zum Beispiel durch Fahrspurplanung anhand entsprechender Software über längere Zeiträume vollständig automatisieren, Ernteerträge oder ausgebrachte Düngermengen kartieren und Düngerapplikationskarten erstellen, ist absolute Genauigkeit des Satellitenortungssystems zwingend erforderlich. Gerade für neuere systemtechnische Verfahren in der Feldbewirtschaftung wie der Streifenbodenbearbeitung (Strip Tillage) und dem Regefahrspursystem (CTF), aber auch bei der Anlage und Pflege von Sonderkulturen wie Spargel oder Erdbeeren werden hochgenaue Informationen über die tatsächliche Lage der Maschine im Feld benötigt. Nur mit einer hohen absoluten Genauigkeit ist eine entsprechende Wiederholbarkeit gegeben und die Umsetzung der präzisen pflanzenbaulichen Maßnahmen realisierbar. Höchste absolute Genauigkeit kann nur mit RTK- Korrekturdaten fester und virtueller Referenzstationen erreicht werden.

Stoppelbearbeitung mit RTK-VRS
Stoppelbearbeitung mit RTK-VRS

Sollen hingegen Feldstücksgrößen ermittelt oder Fahrzeuge mit großer Arbeitsbreite parallelgeführt werden, ohne den Vorgang zu einem späteren Zeitpunkt identisch wiederholen zu wollen, ist die relative Genauigkeit der wichtigste Präzisionsmaßstab. So ist für Pflanzenschutzmaßnahmen nach der Ernte oder im Vorauflauf sowie die Ausbringung von organischen Düngern weniger die exakte tatsächliche Lage der Fahrspuren, sondern vielmehr der genaue Abstand der Fahrspuren untereinander mit einer entsprechenden Überlappung der Arbeitsbreiten von Interesse. Auch für die automatische Ab- und Zuschaltung von Teilbreiten (Section Control) an Pflanzenschutzspritzen, Düngerstreuern oder Einzelkornsägeräten ist eine hohe absolute Genauigkeit nicht erforderlich. Für diese Anwendungen reichen die kostenlosen oder kostengünstigeren Korrekturdatendienste wie EGNOS, OMNISTAR oder STARFIRE aus.

Bei der Verwendung von Fahrassistenzsystemen wie Lichtbalkenanzeigen wird meist nur die Spur-zu-Spur Genauigkeit betrachtet, da bei diesen Systemen die größte Ungenauigkeit vom Maschinenführer ausgeht, der die Leuchtsignale in Lenkbewegungen umsetzt. Für die Spurführung mit Lenkassistenzsystemen werden in der Regel kostenlose EGNOS Korrekturdaten genutzt.

Um Fahrzeuge fernüberwachen, die aktuelle Maschinenposition ermitteln oder die Fahrspuren und bearbeiteten Flächen von Landmaschinen nachvollziehen zu können, benötigen auch Telemetriesysteme Satellitensignale zur Positionsbestimmung. Da Telemetriesysteme in der Regel weniger hohe Anforderungen an die Genauigkeit der bestimmten Fahrzeugposition als satellitengestützte Spurführungssysteme stellen, werden hierfür meist kostenloser EGNOS Korrekturdaten verarbeitet. Bei ausschließlichen Flottenmanagementsystemen reichen oft sogar unkorrigierte Satellitensignale mit einer Genauigkeit von wenigen Metern zur reinen Fahrzeugortung- und koordination aus.

Stand: Januar 2019; UR: Streicher, ALB Bayern e.V.