Sonntag, 12. Juli 2020
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

Web-Entscheidungssysteme für bedarfsgerechtes Bewässern

Liebe Besucher,

die ALB Bayern e.V. hat Web-Entscheidungssysteme für bedarfsgerechtes Bewässern entwickelt und wurde hierbei von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau unterstützt. Berücksichtigt werden Wetterdaten, die jeweilige Bodenart und der Pflanzenbestand. Landwirten bieten die Systeme wertvolle Entscheidungshilfen - diese unterstützen sie bei einer sachgerechten und zugleich sparsamen Zusatzbewässerung.

Es sind zwei Anwendungen verfügbar: Mit der Bewässerungs-App lässt sich die Bodenfeuchte und damit das pflanzenverfügbare Bodenwasser auf Tagesbasis bestimmen. Beim Unterschreiten einer zuvor festgelegten Schwelle erfolgt die Empfehlung zu bewässern. Die Anwendung steht für wichtige landwirtschaftliche und gärtnerische Kulturarten zur Verfügung. Kalibriert und laufend weiterentwickelt wird das Modell in Zusammenarbeit mit dem Sachgebiet Beregnung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dem Institut für Gemüsebau der Hochschule Geisenheim und dem Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost am AELF Landshut.

Außerdem kann eine Einzelgaben-App genutzt werden. Das Rechenmodell dient der Ermittlung maximal möglicher Einzelwassergaben - damit kein Wasser ungenutzt versickert. Die Entwicklung von Anwendungen zu Gemüsearten wird in diesem Fall vom Institut für Gemüsebau der Hochschule Geisenheim fachlich unterstützt.

Freising, im März 2019
Ihr Team der ALB Bayern e.V.


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Die ALB Bayern e.V. hat die Bewässerungs-App entwickelt und wurde hierbei von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau unterstützt. Das Entscheidungssystem verrechnet Messdaten von 640 Wetterstationen der LfL und des Deutschen Wetterdienstes.

Die Bewässerungs-App wird fortlaufend geprüft und weiterentwickelt. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gewährt finanzielle Förderung.

Die Kulturart bezogene Umsetzung geschieht in Zusammenarbeit mit dem Sachgebiet Beregnung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dem Institut für Gemüsebau der Hochschule Geisenheim (Hessen) und dem Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost am AELF Landshut.

Hilfemenü zur Bewässerungs-App

Bei Trockenheit ist Wasser häufig nur eingeschränkt verfügbar. Dann ist es wichtig, die Gaben gezielt nach Bedarf der Pflanzen zuzuteilen. Die Bewässerungs-App kann dabei helfen. Die Bewässerungs-App ist ein webbasiertes Entscheidungssystem und Werkzeug zur Planung, Berechnung und Dokumentation von Maßnahmen zur Bewässerung.

Erzeugern bietet die App wertvolle Entscheidungshilfen und unterstützt sie beim Erreichen ihrer Ziele:

  • Ertrags- und Qualitätssicherung
  • Bessere Bodenmineralisation und Nährstoffeffizienz und geringere Nitratauswaschung
  • Steigerung der Erlöse, der Effizienz und Wirtschaftlichkeit
  • Abstimmung der Vorgehensweise bzw. des Umfangs der Maßnahmen auf Kapazitäten des Anbaubetriebes (insbesondere auf die technisch bedingte Schlagkraft, die Arbeitskräfteausstattung und Wasserrechte)
  • Sorgsamer Umgang mit der Ressource "Wasser"
  • Lerneffekte durch anschauliche systematische Darstellung der Zusammenhänge

Mit der App lässt sich:

  • Der Wasservorrat im Boden feststellen
  • und angepasst an den Bedarf der Kulturen und unter Berücksichtigung der verfügbaren Ressourcen gezielt bewässern.

Das Modell bestimmt den täglichen Wasserbedarf auf Grundlage einer berechneten Grasreferenzverdunstung. Es wurde anhand von Feldversuchen, Praxiserfahrungen und Kulturart spezifischen Eigenschaften von ALB, LfL, LWG, Sachgebiet Beregnung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Institut für Gemüsebau der Hochschule Geisenheim und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Landshut zu 28 Freilandkulturen kalibriert.

Unter anderem werden Wetterdaten, Bodendaten und die Kulturart und die Bewässerungstechnik betreffende Kennzahlen verrechnet. Die jeweiligen Rahmenbedingungen sind vom Nutzer individuell einstellbar.

 
 

Hilfemenü zur Bewässerungs-App

Benutzerkonto und Schläge

Die Anwendung ist grundsätzlich kostenfrei und frei zugänglich. Auch ohne das Anlegen eines Nutzerkontos steht der volle Funktionsumfang zur Verfügung. Nutzer die sich registrieren können darüber hinaus vorgenommene Einstellungen, lokale Niederschlagskorrekturen und Zwischenergebnisse schlagspezifisch speichern. Zu nachfolgenden Terminen kann darauf zurückgegriffen werden. Ergebnisse lassen sich dann durch das Erstellen einer Dokumentation als druckfähige Version zusammenfassen und dienen als Nachweis für Bewässern nach guter fachlicher Praxis. Das Anlegen eines personalisierten Nutzerprofils ist ebenfalls kostenfrei. Die Anmeldung erfolgt mittels Benutzername und Passwort. Eine Nutzerkennung erhalten sie hier.

Kontaktanfrage

Bei Beratungssitzungen kann auf Zwischenergebnisse vorangegangener Sitzungen (gespeicherte Schläge) zurückgegriffen werden.

Werden die Einstellungen eines Schlags geändert, lassen sich die Änderungen auch wahlweise unter einem neuen Profil (neuer Schlagname) abspeichern. Auf diese Weise können mit geringem Aufwand beliebig viele Profile (Schläge) neu angelegt werden.

 

Standort und Jahr

Die Ermittlung des täglichen Wasserbedarfs basiert auf der Auswertung von Wetterdaten. Es stehen die Daten von 142 LfL-Stationen (in Bayern) und mehr als 500 DWD-Stationen (deutschlandweit) zur Verfügung. Die Auswahl erfolgt durch Anklicken in einer Karte oder durch Markieren einer dem eigenen Standort benachbarten Station in einem Auswahlfenster.

Sind die abgerufenen Wetterdaten (Klimadaten) von einzelnen Stationen der LfL oder des DWD in Ausnahmefällen nicht vollständig, so werden diese durch entsprechende Werte benachbarter Stationen ersetzt, oder auf Grundlage vorhandener, andersartiger Wetterdaten mit Hilfe von Rechenmodellen näherungsweise kalkuliert.

Zur Erfassung kleinräumig schwankender Niederschläge ermöglicht die Bewässerungs-App Nutzern seit der Saison 2020 neben Niederschlagskorrekturen ebenso die Verwendung von Radolan-Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes(DWD). Das Radolan-Verfahren kombiniert tatsächliche Niederschlagsmessungen in Bodennähe mit Radarmessungen von reflektierten Signalen des Niederschlags in höheren Schichten der Atmosphäre. Die Kombination beider Messtechniken liefert eine flächenhafte Verteilung des Niederschlags im 1 km-Raster und bietet für Nutzer der Bewässerungs-App mehr als 350.000 virtuelle Radolan-Niederschlagsstationen deutschlandweit.

Die Witterung schwankt innerhalb einer Region nur wenig - mit Ausnahme der gefallenen Niederschläge. Gerade in den Sommermonaten sind Regenfälle häufig lokal begrenzt. Bereits auf kleinem Raum treten immer wieder große Unterschiede auf. Deshalb lassen sich die Niederschläge am Standort der jeweiligen Wetterstationen durch die vom Nutzer vor Ort gemessenen Niederschläge unter dem Menüpunkt Korrekturen anpassen. Liegen bewirtschaftete Felder weiter auseinander, ist es erforderlich den Niederschlag an jedem Feld einzeln zu bestimmen und jeweils bei Berechnungen mit der Bewässerungs-App schlagspezifisch zu berücksichtigen.

Ermittlung der benötigten Bewässerungskapazitäten

Die Auswertung von Wetterdaten vergangener Jahre (Vergleich mit mehrjährigen Mittelwerten) ermöglicht Nutzern der Bewässerungs-App Standorte bzw. Anbausysteme im Hinblick auf eine grundsätzliche Bewässerungsbedürftigkeit zu bewerten oder miteinander zu vergleichen. In Abhängigkeit von spezifischen Nutzereinstellungen (z.B. Standort der Wetterstation, Bodeneigenschaften, Überkopfberegnung oder Tropfbewässerung, Festlegung der Intensität der Erzeugung/ Bewässerung) lässt sich ermitteln, wie groß der Zusatzwasserbedarf im Einzeljahr (1997-2018) oder im Mittel der vergangenen 5, 10, 15 oder 20 Jahre gewesen wäre. Diese rückblickende Betrachtungsweise ermöglicht konkrete Schlüsse auf den zu erwartenden Zusatzwasserbedarf für die kommenden Jahre. Die Auswertung kann Neueinsteigern und Beratern eine Hilfe sein, um die erforderlichen Bewässerungskapazitäten situationsbezogen zu planen oder anzuschaffen.

Stehen die vorhandenen Bewässerungskapazitäten (Brunnenleistung in Kubikmetern je Stunde, Flächenleistung in Hektar je Woche, von der Behörde genehmigte Gesamthöhe an Zusatzwassergaben in Millimeter pro Jahr) bereits fest, können Nutzer die Empfehlungen der Bewässerungs-App darauf abstimmen: Die Festlegung des Bodenfeuchtegrenzwerts ab dem bewässert wird, die Wahl der Höhe der beabsichtigten Einzelwassergaben, die Nennung des kapazitätsbedingten Mindestzeitabstands zwischen zwei Beregnungsmaßnahmen und die Wahl der beabsichtigten Intensität der Erzeugung/ Bewässerung geben Nutzern Spielraum. Mit Hilfe der Auswertung von Wetterdaten vergangener Jahre lässt sich die Bewässerungs-App zudem in der Weise eichen, dass die aus Brunnen entnommenen Wassermengen die von der jeweiligen Behörde genehmigten Entnahmemengen im Mittel der vergangenen 5, 10, 15 oder 20 Jahre nicht überschritten hätten.

Hilfemenü zur Bewässerungs-App

Bodeneigenschaften

Die Fähigkeit von Böden, Wasser pflanzenverfügbar zwischenzuspeichern, ist stark von der jeweiligen Bodenart abhängig. Grundsätzlich ist die Speicherfähigkeit von Lehmböden größer als von Sand- oder Tonböden.

Nutzbare Feldkapazität nFK

Bei ergiebigen Niederschlägen sind alle Poren des Wurzelraums ab einem bestimmten Zeitpunkt mit Wasser gesättigt und der pflanzenverfügbare Bodenwasserspeicher ist vollständig gefüllt. In natürlich gelagerten Böden ist die nutzbare Feldkapazität nFK das Maß für das maximal pflanzenverfügbar speicherbare Bodenwasser.

Die Bodenart und damit die Korngrößenverteilung haben Einfluss auf die nutzbare Feldkapazität. Je leichter die Böden sind, desto geringer ist das anteilige Gesamt-Porenvolumen. In Sandböden dominieren weite Grobporen, in Lehmböden treten Grob-, Mittel- und Feinporen zu etwa gleichen Volumenteilen auf und in Tonböden dominieren Feinporen.

Die Bewässerungs-App ermöglicht die Einstufung landwirtschaftlich genutzte Flächen in eine von neun Bodenarten. Die dem Modell hinterlegten nutzbaren Feldkapazitäten verschiedener Bodenarten sind in Tabelle 1 gelistet.

Tabelle. 1: Einstufung verschiedener Bodenarten in Hinsicht auf ihre nutzbare Feldkapazität nFK in Vol.-% gemäß Bewässerungs-App

Bodenart nFK / Vol.-%
leicht, Sand (S) 9
leicht, schwach lehmiger Sand (lS) 13
mittel, stark lehmiger Sand (llS) 16
mittel, sandiger Lehm (sL) 19
mittel, schluffiger Lehm (uL) 22
schwer, toniger Lehm (tL) 17
schwer, lehmiger Ton (lT) 14
schwer, Ton (T) 10

Es handelt sich um gängige Durchschnittswerte. Zusätzlich zur Bodenart wird die nFK außerdem von der jeweiligen Lagerungsdichte und dem Gehalt an organischer Bodensubstanz des Bodens beeinflusst. Organische Substanz erhöht den Mittelporenanteil und damit die nFK in erheblichem Maße. Reine organische Böden haben ausschließlich Mittelporen und können das Drei- bis Fünffache ihres Eigengewichtes pflanzenverfügbar an Wasser speichern. Gelingt es in Böden organische Substanz anzureichern, erhöht das die nFK. Schadverdichtungen und Einwaschungsverdichtungen reduzieren die Grob- und Mittelporen und führen neben einer schlechteren Bodendurchlüftung, einer schlechteren Durchwurzelbarkeit und einer schlechteren vertikalen Wasserführung (Gefahr der Staunässebildung) ebenso zu einer Verminderung der nFK. Eine nutzbare Feldkapazität von z.B. 16 Vol.-% bei der Bodenart „stark lehmiger Sand (llS) bedeuten z.B., dass dieser Boden je 10 cm Mächtigkeit 16 mm Wasser (= 16 Liter Wasser je Quadratmeter bzw. 16 Kubikmeter Wasser je Hektar) pflanzenverfügbar zwischenspeichern kann.

Berechnung der nutzbaren Feldkapazität nFK eines Anbausystems

Die nFK eines Anbausystems ergibt sich aus der nFK des zugrunde liegenden Bodens multipliziert mit der effektiven Wurzeltiefe der betrachteten Kulturart:

nFK(Anbausystem) = nFK(Boden) x Wurzeltiefe

Beispiel - Kartoffeln zur Blüte mit 60 cm Wurzel-tiefe auf stark lehmigem Sand:

nFK(Anbausystem) = 16 Vol.-% x 60 cm
nFK(Anbausystem) = 16 mm / 10 cm x 60 cm
nFK(Kartoffel zur Blüte, llS) = 96 mm

Nutzer der Bewässerungs-App haben die Möglichkeit, den „Oberboden“ (Bodenart bis 30 cm) und den „Unterboden“ (Bodenart ab 30 cm) getrennt zu charakterisieren. Außerdem lassen sich die in der Tabelle beschriebenen Standard-nFKs, sofern bekannt, dem Einzelfall entsprechend anpassen (nFK Oberboden optional, nFK Unterboden optional).

Durchwurzelbarkeit des Bodens

Die Durchwurzelbarkeit des Bodens bestimmt den potentiellen Wurzelraum und ist damit ebenfalls von Bedeutung für die Menge an pflanzenverfügbarem Bodenwasser, gleichermaßen wie die kulturartspezifische Durchwurzelungstiefe. Auf Problemstandorten begrenzen möglicherweise wurzelundurchlässige Zonen das Wurzeltiefenwachstum, etwa aufgrund von Unterbodenverdichtungen. Einschränkungen, die auf eine ungünstige Struktur des Unterbodens oder einer speziellen Entstehungsgeschichte des Bodens mit flachgründigem durchwurzelbarem Horizont zurückzuführen sind, können bei den Modellberechnungen durch die Festlegung der „Durchwurzelbarkeit des Bodens“ berücksichtigt werden.

Hilfemenü zur Bewässerungs-App

Kulturbestand

Die Bewässerungs-App steht für 13 landwirtschaftliche und 15 gärtnerische Kulturen zur Verfügung. Die Auswahl der jeweils betachteten Kultur erfolgt unter dem Menüpunkt Kulturbestand. An dieser Stelle lassen sich auch die Termine für das Erreichen wichtiger Entwicklungsstadien definieren. Liegen diese Termine noch in der Zukunft, so können zur Planung die zu erwartenden Termine für das Erreichen bestimmter Entwicklungsstadien angegeben werden. Alle Angaben lassen sich im Verlauf der Vegetationsperiode immer wieder den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend anpassen.

Der Wasserbedarf ist in hohem Maße vom Entwicklungsstand der Pflanzenbestände abhängig. In den folgenden Tabellen ist für die verschiedenen Kulturen anhand ausgewählter Entwicklungsstadien angegeben, in welcher Weise die Bewässerungs-App kalibriert wurde. Die Kalibrierung erfolgte für Kartoffeln anhand von sechs Jahre andauernden Feldversuchen (2009-2014) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Für Mais, Zuckerrüben, Winterweizen, Wintergerste und Winterraps wurde die Anwendung auf Grundlage von Ergebnissen aus mehrjährigen Feldversuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen kalibriert. Bei Winterroggen, Triticale, Sommergerste und Sommerweizen wurde die Kalibrierung auf Basis kulturartspezifischer Eigenschaften und gesammelten Praxiserfahrungen beim Bewässern vorgenommen. Zu den gärtnerischen Kulturen geschah dies unter Berücksichtigung der am Institut für Gemüsebau der Hochschule Geisenheim wissenschaftlich erarbeiteten kc-Werte und unter Berücksichtigung weiterer Parameter in Zusammenarbeit mit dem Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost am AELF Landshut und dem ökologischen Gemüsebauversuchsbetrieb der LWG in Bamberg.

Die nachfolgend angegebenen Werte zum maximalen Wasserbedarf an heißen und wolkenfreien Sommertagen gelten für leistungsfähige voll entwickelte Bestände unter der Vorraussetzung, dass Wasser im Überschuß vorhanden ist. In der Regel limitieren mehrere Faktoren den Wasserbedarf, sodass die Werte in der Praxis deutlich niedriger sind, als die hier gelisteten Maximalwerte. Mit der Bewässerungs-App lässt sich das berücksichtigen.

Gras, Grünland, Weide, ET0: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
20 cm Wuchshöhe 100 % 6,0 mm / Tag

Kartoffel: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflauftermin 50 %
Wuchshöhe der Pflanzen 15 cm 90 %
Bestandesschluss 100 % 7,5 mm / Tag
Laubfärbung, Beginn 80 %
Vergilbung, 50 % 45 %

Hopfen: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Austrieb 30 %
Erreichen der Gerüsthöhe 60 %
Blüte, Beginn (BBCH 61) 100 % 6,5 mm / Tag
Doldenentwicklung, Ende (BBCH 79) 85 %
Ernte 55 %

Mais: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflauftermin 60 %
Wuchshöhe der Pflanzen 50 cm 80 %
Ab Wuchshöhe der Pflanzen 150 cm 100 % 7,0 mm / Tag

Sojabohnen: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflauftermin 50 %
Längenwachstum, Beginn (BBCH 31) 85 %
Blüte, Beginn (BBCH 61) 100 % 8,0 mm / Tag
Samenbildung, Ende (BBCH 79) 40 %

Sommergerste: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Saattermin 40 %
Schossen, Beginn (BBCH 30) 90 %
Fahnenblatt, ausgebildet (BBCH 39) 100 % 7,0 mm / Tag
Kornbildung, Beginn (BBCH 71) 100 %
Teigreife (BBCH 85) 50 %

Sommerweizen: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Saattermin 40 %
Schossen, Beginn (BBCH 30) 90 %
Fahnenblatt, ausgebildet (BBCH 39) 100 % 7,0 mm / Tag
Kornbildung, Beginn (BBCH 71) 100 %
Teigreife (BBCH 85) 50 %

Triticale: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Vegetationsbeginn 45 %
Schossen, Beginn (BBCH 30) 90 %
Fahnenblatt, ausgebildet (BBCH 39) 100 % 6,0 mm / Tag
Kornbildung, Beginn (BBCH 71) 100 %
Teigreife (BBCH 85) 55 %

Wintergerste: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Vegetationsbeginn 40 %
Schossen, Beginn (BBCH 30) 80 %
Fahnenblatt, ausgebildet (BBCH 39) 100 % 7,5 mm / Tag
Kornbildung, Beginn (BBCH 71) 100 %
Teigreife (BBCH 85) 45 %

Winterraps: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Vegetationsbeginn 40 %
Längenwachstum, Beginn (BBCH 30) 90 %
Entwicklung Blütenanlagen (BBCH 55) 100 % 7,0 mm / Tag
Schoten ausgereift, 50% (BBCH 85) 50 %

Winterroggen: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Vegetationsbeginn 45 %
Schossen, Beginn (BBCH 30) 90 %
Fahnenblatt, ausgebildet (BBCH 39) 100 % 6,0 mm / Tag
Kornbildung, Beginn (BBCH 71) 100 %
Teigreife (BBCH 85) 55 %

Winterweizen: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Vegetationsbeginn 40 %
Schossen, Beginn (BBCH 30) 90 %
Fahnenblatt, ausgebildet (BBCH 39) 100 % 7,0 mm / Tag
Kornbildung, Beginn (BBCH 71) 100 %
Teigreife (BBCH 85) 50 %

Zuckerrübe: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflaufen 60 %
Erscheinen 5. Blatt 80 %
Ab Bestandesschluss 100 % 7,0 mm / Tag

Blumenkohl: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Pflanzung 50 %
Erscheinen 8. Blatt 65 %
Durchmesser 70% (BBCH 37) 100 % 8,0 mm / Tag

Brokkoli: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Pflanzung 50 %
Erscheinen 8. Blatt 75 %
Erscheinen 14. Blatt (BBCH 14) 100 % 8,0 mm / Tag

Bundzwiebeln: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflaufen 55 %
Erscheinen 4. Blatt 75 %
Erscheinen 8. Blatt 100 % 7,5 mm / Tag

Buschbohne: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflaufen 25 %
Blühbeginn 80 %
1. Hülse volle Länge (BBCH 71)
    |          | 100 %    | 7,5 mm / Tag

Erbsen (Grünerbse): Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflaufen 45 %
Erscheinen 6. Blatt 80 %
Blüte, Beginn (BBCH 61) 90 %
Hülsenbildung, Beginn 100 % 7,5 mm / Tag

Erdbeeren: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Austrieb 70 %
Fruchtbildung, Beginn 100 % 5,0 mm / Tag
Ernte, Beginn 85 %
Ernte, Ende 40 %
Blütenanlagen Herbst, Beginn 70 %

Gurken (Einlegegurken): Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflauftermin 45 %
Blühbeginn (BBCH 61) 75 %
Ab Erntebeginn (BBCH 71) 100 % 7,5 mm / Tag

Karotten: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflaufen 30 %
Erscheinen 5. Blatt 70 %
Bestandesschluss (BBCH 43) 100 % 7,0 mm / Tag

Knollenfenchel: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Pflanzung 55 %
Erscheinen 5. Blatt 80 %
Erscheinen 8. Blatt (BBCH 18) 100 % 7,5 mm / Tag

Kopfkohl: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflauftermin 55 %
Erscheinen 8. Blatt 80 %
Erscheinen 11. Blatt 100 % 7,5 mm / Tag

Kopfsalat: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Pflanzung 50 %
Durchmesser 30 % (BBCH 43) 75 %
Durchmesser 60% (BBCH 46) 100 % 8,0 mm / Tag

Petersilie: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflaufen 35 %
Erscheinen 5. Blatt 80 %
Bestandesschluss (BBCH 43) 100 % 6,0 mm / Tag

Porree: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Pflanzung 55 %
Schaftdurchmesser 13 mm 80 %
Schaftdurchmesser 16 mm 90 %
Schaftdurchmesser 20 mm 100 % 7,5 mm / Tag

Radieschen: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflaufen 60 %
Erscheinen 3. Laubblatt 100 % 7,0 mm / Tag

Zuccini: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflaufen 55 %
Blüte, Beginn (BBCH 61) 80 %
Bestandesschluss 100 % 7,5 mm / Tag

Zwiebeln: Relativer Wasserbedarf in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium

Entwicklungsstadium Wasserbedarf, relativ Max. Wasserbedarf (heißer Sommertag)
Auflauftermin 55 %
Erscheinen 5. Blatt 75 %
Erscheinen 8. Blatt 100 % 7,5 mm / Tag
Schlottenknicken 45 %

Zwischen den definierten Terminen ändert sich der im Modell berücksichtigte Verdunstungsfaktor stetig.

Der pflanzenverfügbare Bodenwasserspeicher (nFK) variiert je nach Entwicklungsstadium einer Fruchtart in Abhängigkeit von der resultierenden Durchwurzelungstiefe. Das Tiefenwachstum der Wurzeln erfolgt während der Jugendentwicklung der Kulturbestände. In dieser Zeit erschließen die Pflanzen über die Wurzeln zunehmend tiefe Bodenbereiche, und der pflanzenverfübare Bodenwasserspeicher (nFK) steigt. Die Dynamiken des Wurzelwachstums werden unter Berücksichtigung fruchtartspezifischer Faustzahlen und Erfahrungswerte berücksichtigt. Der Bewässerungs-App liegen zur Wurzeltiefe für die betrachteten Kulturarten jeweils folgende Minimum-Werte (zum Auflauftermin/ Setzen/ Vegetationsstart) zugrunde.

Wurzeltiefenwachstum vergrößert den pflanzenverfügbaren Bodenwasserspeicher

Fruchtart Wurzeltiefe, maximal
Gras, Grünland 100 cm
Kartoffel 60 cm
Hopfen 200 cm
Mais 80 cm
Sojabohnen 110 cm
Sommergerste 60 cm
Sommerweizen 60 cm
Triticale 80 cm
Weide 30 cm
Wintergerste 80 cm
Winterraps 100 cm
Winterroggen 80 cm
Winterweizen 80 cm
Zuckerrüben 90 cm
Blumenkohl 60 cm
Brokkoli 60 cm
Bundzwiebeln 60 cm
Buschbohne 60 cm
Erbsen (Grünerbse) 60 cm
Erdbeeren 30 cm
Gurken (Einlegegurken) 60 cm
Karotten 60 cm
Knollenfenchel 60 cm
Kopfkohl 60 cm
Kopfsalat 30 cm
Petersilie 40 cm
Porree 60 cm
Radieschen 30 cm
Zuccini 60 cm
Zwiebeln 60 cm

Für Mineralisation und Wurzelwachstum ist jeweils ausreichend Bodenfeuchte erforderlich. Deshalb ist eine gewisse Feuchte des Oberbodens für alle Fruchtarten bereits ab der Saat bzw. dem Legen oder Setzen relevant. Im Modell wird ab Beginn mit einer Wurzeltiefe von mindestens 20 cm gerechnet, wenngleich das Wurzelwerk zunächst noch nicht (bis in diese Tiefe) ausgebildet ist.

Hilfemenü zur Bewässerungs-App

Bewässerungssystem

Die verschiedenen Bewässerungssysteme verteilen das Wasser auf kleinem Raum unterschiedlich gleichmäßig. In Folgendem werden pflanzenbauliche Zusammenhänge und die davon abgeleiteten Handlungsempfehlungen am Beispiel "Kartoffelbewässerung" dargestellt. Da es sich um Grundlagen handelt, lassen sich die Erläuterungen auf andere Feldfrüchte übertragen. In der Bewässerungs-App erfolgt die Auswahl des gewünschten Bewässerungssystems über das Auswahlfenster _Beregnung/ Tropfschlauchposition.

Mit Beregnungsanlagen wird der gesamte Boden befeuchtet. Es steht der komplette durchwurzelte Bodenbereich als pflanzenverfügbarer Wasserspeicher zur Verfügung.

Beregnung
Überkopfberegnung zu Kartoffeln: (A) Maximale Durwurzelungstiefe: 60 cm, (B) Maximale Durchfeuchtungstiefe im durchwurzelten Bereich: 60 cm, (C) Gleichmäßige Durchfeuchtung des ganzen Damms: 75 cm

Im Gegensatz dazu werden bei Tropfbewässerung nur die Bereiche unter den Tropfstellen durchfeuchtet. Deshalb ist der pflanzenverfügbare Bodenwasserspeicher im Vergleich zu flächiger Überkopfberegnung wesentlich reduziert. Je nach Bodenart und Durchwurzelungstiefe beträgt die maximale Speicherkapazität 1 bis 4,5 Liter je Tropfstelle und Tag. Sinnvolle Einzelgaben variieren situationsabhängig zwischen 1 und 10 Liter je Quadratmeter (siehe Einzelgaben-App). Nur in seltenen Ausnahmefällen sind bei sehr tiefwurzelnden Kulturen höhere Einzelgaben gerechtfertigt.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Tropfschläuche zu plazieren:

  • Dammkronenverfahren: entlang der Dämme in die Dammkrone
  • Zwischendammverfahren: zwischen jeden zweiten Damm; das spart 50% Schlauchkosten und viel Arbeit

Tropfbewässerung im Dammkronenverfahren
Tropfbewässerung zu Kartoffeln im Dammkronenverfahren: (A) Maximale Durwurzelungstiefe: 60 cm, (B) Maximale Durchfeuchtungstiefe im durchwurzelten Bereich: 60 cm, (C) Durchmesser der Durchfeuchtungszone: 30 cm in leichten Böden (lS)

Beim Dammkronenverfahren wird der Hauptwurzel- und Knollenbildungsbereich unmittelbar durchfeuchtet und gekühlt. Das ist der wesentliche Vorteil dieser Schlauchposition. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist dieses Verfahren allen anderen überlegen. Allerdings ist es besonders teuer und arbeitsaufwändig.

Mit zunehmender Schwere der Böden nehmen auf das tropfenweise verabreichte Wasser seitlich wirkende Bodensaugkräfte zu, sodass das Wasser sich zunehmend auf horizontaler Ebene ausbreitet: Die Durchfeuchtungszonen werden breiter und es können Schläuche mit größeren Tropferabständen zum Einsatz kommen.

Je breiter die Durchfeuchtungszonen, desto besser funktioniert das Zwischendammverfahren (ZDV). Die Schläuche liegen tiefer. Entsprechend geringer ist dann auch die durchwurzelte Bodensubstanz unter den Tropfern, die Wassergaben pflanzenverfügbar zwischenspeichern kann. Wegen dem doppelten Abstand der Schläuche zueinander hat das Verfahren nur die Hälfte an Tropfstellen pro Flächeneinheit. Dadurch halbiert sich die Bodenpufferkapazität nochmals. Einzeltagesgaben von mehr als 4-5 mm sind dann selbst auf schweren Böden ohne Sickerwasserbildung nicht möglich.

Tropfbewässerung im Zwischendammverfahren
Tropfbewässerung zu Kartoffeln im Zwischendammverfahren: (A) Maximale Durwurzelungstiefe: 60 cm, (B) Maximale Durchfeuchtungstiefe im durchwurzelten Bereich: 45 cm, (C) Durchmesser der Durchfeuchtungszone: 50 cm in schweren Böden (lT)

Beim ZDV ist ein zeitiger Bewässerungsstart, etwa bei einem Bodenfeuchtegrenzwert von 70% der nFK (Tagesgaben 3 mm), von besonderer Bedeutung: Zum einen nimmt die Wasserleitfähigkeit von Böden mit zunehmendem Feuchtegrad überproportional zu. Das verabreichte Wasser wird dann zum Teil in die Dämme gesaugt, auch in geringem Maße entgegen der Schwerkraft nach oben. Andererseits bedeutet ein zeitiger Bewässerungsbeginn ein frühes Signal für die Kartoffeln, an welchen Stellen das Wasserangebot besteht. Die Pflanzen reagieren darauf zeitig mit gezieltem Wurzelwachstum in diese Durchfeuchtungszonen unter die Zwischendämme. Erst nachdem die Böden trotz regelmäßiger Wassergaben weiter abgetrocknet sind, kann die Gabenhöhe gesteigert werden, z.B. ab einem Feuchtegrenzwert von 50 % der nFK auf 5 mm täglich.

An ihre Grenzen stoßen Zwischendammverfahren bei Frühsommertrockenheit. Im ZDV gelingt es grundsätzlich nicht, den (ausgetrockneten) Dammkern zu durchfeuchten, der für einen Übergang der gedüngten Nährsalze in die Bodenlösung und für beginnendens Wurzelwachstum vor allem zu Wachstumsstart besondere Bedeutung hat. Aus dem selben Grund ist das Verfahren auf mit Kartoffelschorf gefährdeten Standorten problematisch: Das Knollennest wird im Dammkern ausgebildet, und nur im Falle einer durchgehenden und ausreichenden Bodenfeuchtigkeit im Kernbereich (siehe Dammkronenverfahren) ließe sich die Schorfbildung maßgeblich hemmen.

Um die pflanzenbaulichen Nachteile des ZDV abzumildern wird an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschft zur Zeit ein neues Verfahren erprobt: Die Dammsohlen, in denen die Tropfschläuche verlegt werden, sind bei diesem Konzept erhöht (M-Dammverfahren):

Tropfbewässerung im M-Dammverfahren
Tropfbewässerung zu Kartoffeln im M-Dammverfahren: (A) Maximale Durwurzelungstiefe: 60 cm, (B) Maximale Durchfeuchtungstiefe im durchwurzelten Bereich: 55 cm, (C) Durchmesser der Durchfeuchtungszone: 50 cm in schweren Böden (tL)

Außerdem lässt sich für Tropfbewässerungsverfahren der Schlauchabstand und der Tropferabstand definieren.

Hilfemenü zur Bewässerungs-App

Intensität

Unter diesem Menüpunkt kann der Anwender den Start und das Ende der gewünschten Bewässerungsperiode festlegen. Nur innerhalb des ausgewählten Zeitraums (Bewässerungsperiode) werden vom Modell Bewässerungsmaßnahmen empfohlen, sofern es zu einer Unterschreitung der vom Nutzer bestimmten Bewässerungsschwelle kommt. Eine Bewässerungsschwelle von 60 % nFK bedeutet beispielsweise, dass der pflanzenverfügbare Bodenwasserspeicher zu diesem Zeitpunkt noch zu 60 % gefüllt ist. 40 % der nFK kann es regnen bzw. kann flächig beregnet werden, ohne dass es zu Sickerwasserbildung kommt. Bei Tropfbewässerung beträgt die maximal möglich Gabenhöhe, ohne dass Sickerwasser entsteht, häufig nur einen Bruchteil davon weil nur nur die Bereiche direkt unter den Tropfern als Wasserspeicher zur Verfügung stehen.

Grundsätzlich gilt: Je geringer die gewählte Bewässerungsschwelle, ab der bewässert wird ist, desto kleiner wird der Beregnungsaufwand insgesamt. Zum einen deshalb, weil der natürliche Bodenwasservorrat stärker ausgeschöpft wird, zum anderen, weil die Wasseraufnahme der Pflanzen und damit die Verdunstung zunehmend eingeschränkt sind. Welcher Bewässerungsschwelle im Einzelfall sinnvoll ist hängt unter anderem von der betrachteten Kulturart, der Art der eingesetzten Technik, den verfügbaren Wasserressourcen und der vorhandenen Schlagkraft des Betriebes ab.

Grenzwerte guter Wasserversorgung in % der nutzbaren Feldkapazität nFK

Fruchtart Bewässerungsschwelle Quelle
Kartoffel 50 % nFK LfL, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Frühkartoffeln 70 % nFK ALB Bayern e.V.
Mais 35 % nFK LfL, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Sommergerste 50 % nFK Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Übriges Getreide 35 % nFK Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Winterraps 35 % nFK Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Zuckerrüben 35 % nFK Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Gurke (Einlegegurke) 70 % nFK AELF Landshut
Zwiebeln 50 % nFK AELF Landshut
Kopfsalat 70 % nFK AELF Landshut
Kopfkohl 50 % nFK AELF Landshut
Erdbeeren 60 % nFK AELF Landshut

Durch Klicken auf "Stadienspezifischer Feuchtegrenzwert" kann die Bewässerungsschwelle, bei deren Unterschreitung bewässert werden soll auch in Abhängigkeit der Entwicklungssstadien der Pflanzenbestände festgelegt werden.

Wahlweise kann der Nutzer Angaben zur Höhe der beabsichtigten Einzelwassergaben machen (siehe Auswahlfenster Wassergabe); alternativ wird die Höhe der einzelnen Wassergaben vom System berechnet. Ebenso läßt sich der Mindestabstand zwischen zwei Wassergaben definieren (Mindestintervall der Wassergaben), um modellbedingte Bewässerungsempfehlungen zu vermeiden, die aus arbeitswirtschaftlichen Gründen bzw. wegen begrenzter Kapazitäten des landwirtschftlichen Betriebs von vorne herein nicht umsetzbar sind.

Der Wasserbedarf von Kulturbeständen hängt neben klimatischen Faktoren ebenso von der Bestandesführung, aber auch von Sorteneigenschaften ab. Mastige Bestände mit reichlich oberirdischer Biomasse haben eine höhere Verdunstung und damit einen größeren Wasserbedarf als verhalten geführte lichte Bestände. Standardmäßig ist die der Anwendung zugrunde liegende Intensität der Erzeugung/ Bewässerung "hoch". Wird jedoch verhalten gedüngt, z.B. im ökologischen Anbau, oder sind die für Bewässerung zur Verfügung stehenden Kapazitäten stark begrenzt, kann eine "mittlere" oder "geringe" Intensität der Erzeugung/ Bewässerung ausgewählt werden. Hierdurch vermindert sich der berechnete Wasserbedarf und damit die empfohlenen Zusatzwassergaben während anhaltender Trockenphasen um etwa 17% (mittlere Intensität) bis 35% (geringe Intensität).

Drei Intensitätsstufen der Erzeugung/ Bewässerung

Je nach Marktausrichtung (z.B. Speise-, Pommesfrites-, Stärke-, Früh-, Biokartoffeln) kann zwischen unterschiedlichen Intensitätsstufen gewählt werden:

  • I_hoch = 100% Bewässerung = optimale Wasserversorgung: Eine weitere Intensitätssteigerung würde keine zusätzlichen Ertragssteigerungen bewirken; sinnvoll z.B. bei Frühkartoffeln, die nicht in der Lage sind vorübergehende Trockenphasen über den Faktor Zeit zu kompensieren.
  • I_mittel = ca. 83% Bewässerung = ausreichende Wasserversorgung: Häufig wirtschaftlicher als "I_hoch". In überdurchschnittlich trockenen Jahren ist auf leichten Standorten ein etwas geringeres Ertragsniveau zu erwarten als bei I_hoch.
  • I_gering = ca. 65% Bewässerung = wassersparende Versorgung: Sinnvoll wenn die Verfügbarkeit von Wasser stark eingeschränkt ist oder andere Faktoren als die Wasserverfügbarkeit das Pflanzebwachstum begrenzen.
 

Korrekturen

Unter diesem Menüpunkt können Niederschläge und verabreichte Wassergaben korrigiert werden. Wichtig: Erst durch "Speichern" werden gemachte Korrekturen bei der Verrechnug und in der Ergebnisdarstellung berücksichtigt.

Wurde ein Benutzerkonto eingerichtet, werden die gemachten und gespeicherten Korrekturen automatisch arichviert.

 

Witterungserwartung für die kommenden Tage

Grundsätzlich stehen dem System Wetterdaten (Messwerte) für Tage in der Vergangenenheit zur Verfügung. Um Bewässerung dennoch vorausschauend planen zu können, lässt sich die vom Nutzer zu erwartende Witterung für die kommenden Tage (Tag 1 = "heute", Tag 2 = "morgen", Tag 3 = "übermorgen", ... - gilt für LfL-Wetterstationen, bzw. Tag 1 = "gestern", Tag 2 = "heute", Tag 3 = "morgen", ... - gilt für DWD-Wetterstationen) in drei Klassen einteilen. Die Einstufungen haben Einfluss auf die veranschlagte Intensität der Verdunstung und bedingen die Höhe des täglich zu kalkulierenden Wasserbedarfs. Bei Sonnensschein ist der zugrunde gelegte Wasserbedarf angepasst an die Jahreszeit "hoch", bei heiter bis wolkigem Himmel "mittel" und bei starker Bewölkung "gering".

Sollen für die Planungen zusätzlich "zu erwartende Niederschläge" berücksichtigt werden, können diese unter dem Menüpunkt Korrekturen ergänzt werden.

Mit fortschreitender Zeit werden die den Erwartungswerten zugeordneten Wetterdaten automatisch mit täglich gemessenen Werten am Standort der ausgewählte Wetterstation überschrieben.

 

Berechnungszeitraum

Die Anzeige der Ergebnisse erfolgt immer für den festgelegten Berechnungszeitraum. Dieser lässt sich auch im nachhinein jederzeit anpassen und beeinflusst den Zeitraum, auf den sich die Berechnungen und Darstellungen der Ergebnisse beziehen.

Zum Berechnungsstart ist der Grad der Wassersättigung des Oberbodens (bis 30 cm Tiefe) und des Unterbodens (ab 30 cm Tiefe) zu bestimmen. Mit diesen Angaben starten die Berechnungen. Die Bestimmung kann durch Messung oder durch Schätzung erfolgen.

Meistens sind die Niederschläge in den Wintermonaten größer als die Verdunstung. Deshalb sind die Böden im Frühjahr oft weitgehend mit Wasser gesättigt. Besonders präzise lässt sich der Grad der Wassersättigung von Böden im Frühjahr nach Starkniederschlägen schätzen; dann liegen die Feuchtewerte nahe 100% der nFK. In trockenen Frühjahren sind jedoch Abschläge erforderlich, hauptsächlich im Bereich des Oberbodens.

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Ergebnisauswahl

Durch Anklicken des Menüpunkts Ergebnisauswahl lässt sich festlegen, welche Ergebnisse angezeigt werden:

Es gibt vier Ergebnisarten:

  • Summenwerte im Berechnungszeitraum: Die Auflistung der Summenwerte Bewässerung, Niederschlag, Verdunstung und Versickerung bezieht sich auf den im Menüpunkt Berechnungszeitraum festgelegten Berechnungszeitraum. Eine Anpassung diese Zeitraums ist jederzeit möglich. Die Angaben erfolgen für den Fall der Bewässerung und zum Vergleich zusätzlich für eine fiktive Vergleichsvariante ohne Bewässerung. Durch den Vergleich "bewässert" - "unbewässert" lässt sich die Zunahme der Kenngrößen durch die Bewässerung berechnen.

  • Witterungsverlauf und Verlauf des Bodenwassers: Bewässerung, Niederschlag, Verdunstung, Versickerung, Temperatur, Globalstrahlung und Wind werden im Berechnungszeitraum auf Tagesbasis graphisch dargestellt.

  • Bodenwasserbilanz: Nutzbaren Feldkapazität, Bewässerungsschwelle, pflanzenverfügbares Bodenwasser mit bzw. ohne Bewässerung werden im Berechnungszeitraum im zeitlichen Verlauf abgebildet. Die Nutzbare Feldkapazität und die Bewässerungsschwelle, ab der eine Bewässerung stattfinden soll, nehmen während des Wurzeltiefenwachstums der Kulturart kontinuierlich zu.

  • Vergleich mit mehrjährigen Mittelwerten: Das unter dem Menüpunkt Standort und Jahr bestimmte Auswertungsjahr lässt sich bezüglich Bewässerung, Niederschlag, Verdunstung, Versickerung, Temperatur, Globalstrahlung und Wind mit mehrjährigen Mittelwerten vergleichen. Die Anzahl der zurückliegenden Jahre, mit der in der Auswertung verglichen wird, lässt sich vom Nutzer ebenfalls unter dem Menüpunkt Standort und Jahr festlegen. Bitte beachten Sie: die Grundeinstellung ist hier kein Mittelwertvergleich. In diesem Fall wird keine Tabelle (Ergebnisdarstllung) generiert. Die Auswertung liefert dem Anwender konkrete Anhaltspunkte, wie sich das Wetter in einem bestimmten Jahr (z.B. dem aktuellen Jahr) gegenüber dem mehrjährigen Mittel verhält. Außerdem lässt sich bestimmen, wie hoch bei spezifischen Einstellungen der Zusatzwasserbedarf eines Jahres vom Durchschnitt der Jahre abweicht.

 

Ergebnisdarstellung

Legende zu "Witterungsverlauf und Verlauf des Bodenwassers"

Ergebnisart Abkürzung
Bewässerung [mm] Bewässerung [mm]
Niederschlag [mm] NS [mm]
Verdunstung [mm] Verdunstung [mm]
Versickerung [mm] Versickerung [mm]
Temperatur [°C] T [°C]
Globalstrahlung [kWh/m²] GS [kWh/m²]
Wind [m/s] Wind [m/s]
 

In dem darüber liegenden Menüpunkt Ergebnisauswahl (bitte anklicken) lässt sich auswählen, welche Ergebnisse angezeigt werden sollen.

Die Wassermenge von einem Millimeter (1 mm) entspricht der Wassermenge von einem Liter je Quadratmeter (1 l/m²).

Legende zu "Klimatische Wasserbilanz"

Ergebnisart Abkürzung
Bodenwasser ohne Bewässerung [mm] ohne [mm]
Bodenwasser mit Bewässerung [mm] Bodenwasser mit Bewässerung [mm]
Nutzbare Feldkapazität [mm] nFK [mm]
Bewässerungsschwelle [mm] Bewässerungsschwelle [mm]