Nachsorge und Behandlung brandverletzter Rinder
Erste Maßnahmen nach einem Stallbrand
Nach einem Stallbrand steht zunächst die Sicherheit von Menschen und Tieren im Vordergrund. Die Feuerwehr entscheidet, ob das Gebäude betreten und Tiere evakuiert werden können. Tierärzte sollten sich eng mit der Einsatzleitung abstimmen und die Situation gemeinsam bewerten. Wichtig sind Informationen zur Tierzahl, Haltungsform, möglichen Ausweichflächen und zur weiteren Versorgung der Tiere.
Erste Hilfe für brandverletzte Tiere
Die Erstversorgung kann bereits durch Tierhalter oder Einsatzkräfte erfolgen. Ziel ist es, das sogenannte „Nachbrennen“ der Haut zu verhindern.
Empfohlen wird:
- Kühlung mit sauberem, handwarmem Wasser
- Kühlung jeweils 2–3 Minuten
- kurze Pausen zwischen den Kühlphasen
- keine Eiswürfel verwenden
- Kälber vorsichtig kühlen, da sie schnell auskühlen
Zusätzlich können nasse Leintücher aufgelegt werden, um die Wunden zu schützen und schonend zu kühlen.
Einschätzung der Verletzungen (Triage)

- Ausmaß der Verbrennungen
- Atemprobleme oder Rauchgasvergiftung
- Allgemeinzustand des Tieres
- zusätzliche Verletzungen
Besonders kritisch sind:
- Atemgeräusche
- rußige Nase
- verbrannte Haare im Gesichtsbereich
- geschmolzene Ohrmarken
- Bewusstseinsstörungen
Die Triage (siehe Abbildung) hilft bei der Entscheidung, welche Tiere sofort behandelt werden können und bei welchen eine Euthanasie notwendig ist.
Verbrennungsgrade bei Rindern
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Leichte Verbrennungen
Verbrennungen 1. Grades betreffen nur die oberste Hautschicht. Typisch sind: Rötung, Schmerzen, erhöhte Wärme. Diese Verletzungen heilen meist gut aus. -
Mittelschwere Verbrennungen
Verbrennungen 2. Grades führen zu: Hautschäden, starken Schmerzen, teilweise abgehender Haut, späterer Narbenbildung -
Schwere Verbrennungen
Verbrennungen 3. Grades betreffen tiefe Hautschichten und Unterhaut. Typisch sind: verkohlte Haut, ablösende Hautplatten, schwere Gewebeschäden. Großflächige schwere Verbrennungen gelten oft als nicht behandelbar.
Behandlung brandverletzter Rinder

Bereits leichte Verbrennungen verursachen erhebliche Schmerzen und können Futteraufnahme sowie Milchleistung beeinträchtigen. Ab Verbrennungen 2. Grades wird zusätzlich eine antibiotische Behandlung empfohlen, da das Risiko schwerer Wundinfektionen deutlich ansteigt. Besonders kritisch ist der Zeitraum zwischen dem 4. und 7. Tag nach dem Brandereignis.
Zur Wundversorgung kommen unter anderem Salben, enzymatische Wundtherapien oder Honigbehandlungen zum Einsatz. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen sowie eine möglichst saubere und stressarme Haltung der Tiere während der Heilungsphase. Auch mögliche Komplikationen wie Rauchgasvergiftungen oder Inhalationstraumata müssen berücksichtigt werden.
Eine Übersicht zu Erstversorgung, Akuttherapie und Wundversorgung zeigt die Abbildung „Therapieschema brandverletzter Rinder“.
Wundversorgung
Unter Praxisbedingungen ist eine aufwendige Wundversorgung oft schwierig. Wichtig sind: saubere Haltung, regelmäßige Kontrolle, Schutz vor Infektionen und Schmerzlinderung.
Mögliche Behandlungen: Zink-Lebertran-Salben, Jodsalben, enzymatische Wundtherapie und Honigbehandlung.
Besonders die Anwendung von Honig zeigte in Praxiserfahrungen gute Ergebnisse bei der Wundheilung.
Risiken und Komplikationen
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Nach Stallbränden können zusätzlich auftreten: Rauchgasvergiftungen, Inhalationstraumata, schwere Infektionen, Kreislaufprobleme, Lungenödeme
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Warnzeichen sind: schnelle Atmung, Maulatmung, starker Husten, Atemgeräusche, Apathie
Tiere mit schweren Atemproblemen haben eine deutlich schlechtere Prognose.
Besonderheiten bei der Nachsorge
Die Behandlung brandverletzter Tiere ist oft langwierig und emotional belastend. Wichtig sind:
- tägliche Kontrolle der Wunden
- ausreichend Schmerztherapie
- gute Futteraufnahme sicherstellen
- Schutz vor zusätzlichem Stress
- gegebenenfalls Unterbringung auf anderen Betrieben
Auch Biosicherheit spielt eine wichtige Rolle, um die Einschleppung von Krankheitserregern zu vermeiden.
Wichtiger Hinweis
Frisch brandverletzte Tiere sollten grundsätzlich nicht geschlachtet oder transportiert werden, da zusätzliche innere Schäden und Rauchgasvergiftungen häufig nicht sicher beurteilt werden können.
