Donnerstag, 24. Oktober 2019
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

Landwirtschaft in Irland

ALB-Lehrfahrt von 06. bis 10. Juni 2018

Ein Reisebericht von K. Elbs und Dr. M. Müller, ALB Bayern e.V.

An der fünftägigen ALB-Lehrfahrt nahmen 27 Personen teil. Wir hatten durchwegs schönes Wetter mit angenehmen sommerlichen Temperaturen. Das abwechslungsreiche Programm führte uns zu ausgewählten Betrieben im Osten und Südosten von Irland mit Ackerbau und Mutterkuh- bzw. Milchviehhhaltung. Außerdem besuchten wir eine Käserei, einen Futtermischwagenhersteller und zwei Forschungsinstitute.

In Irland ist die landwirtschaftliche Erzeugung stark an das maritime Klima angepasst. Der Einfluss des Meeres bewirkt milde Winter, kühle Sommer und sehr lange Vegetationsperioden. Die Jahresniederschläge betragen je nach Region zwischen 800 und 2.000 mm. Diese Rahmenbedingungen ermöglichen hohe Erträge im Ackerbau und Grünland. Außerdem können landwirtschaftliche Bauten einfach gehalten werden. Sie erfordern weder Frostschutzmaßnahmen, noch müssen sie auf Schneelasten abgestimmt sein.

1. Tag

Die Anreise erfolgte mit dem Flugzeug von München nach Dublin. Dort holte uns ein Reisebus ab und brachte uns ca. 120 km in den Süden zum 1. Betrieb.

1. Station: Landwirtschaftsbetrieb mit Mutterkuhhaltung und Bullenmast in Ballacolla (County Laois)

Wir wurden vom Betriebsleiter und zwei staatlichen Beratern von Teagasc (= irische, halbstaatliche Behörde, die für Forschung und Entwicklung, Ausbildung und Beratung im Agrar- und Lebensmittelsektor zuständig ist) begrüßt. Sie führten uns über den Betrieb (230 ha, überwiegend Grünland) mit ca. 220 Mutterkühen, 100 Mastbullen und 100 Färsen.

Der Betrieb gilt als Vorzeigebetieb, der Jahr für Jahr zahlreiche Besuchergruppen empfängt. Der Betrieb ist sehr groß. Im Durchschnitt hat ein irischer Landwirtschaftsbetrieb 18 Kühe. An dem Betrieb werden die Kühe im Winter gedeckt, und kalben einheitlich in den Monaten Juli / August.

Weidemanagement: Etwa 8 Monate im Jahr besteht Weidehaltung. Die restlichen vier Monate befinden sich die Tiere in Ställen in einfacher Bauweise und mit geringer Ausstattung. Die Beweidung erfolgt als Portionsweidehaltung - der Aufwuchs wird alle 3 Wochen für 3 Tage beweidet. Daraus ergeben sich sieben gleichgroße Teilflächen pro Herde.

2. Station: Cashel Farmhouse Cheesemaker in Fethard

Am Nachmittag besuchten wir einen 80 ha großen Landwirtschaftsbetrieb mit 80 Milchkühen und Käserei, die überregional bekannt ist für ihren Blauschimmelkäse (den Käse gibt es auch in Deutschland zu kaufen). In Irland gibt es etwa 50 Landwirtschaftsbetriebe, die als zweites Standbein eine Hofkäserei bewirtschaften. Hierbei handelt es sich um eine sehr kleine Nische, der Betrieb erfolgt häufig im Nebenerwerb.

Der Erfolg der von uns besuchten Käserei beruht darauf, dass es gelungen ist, einen Käse mit charakteristischem Geschmack am Markt zu etablieren. Es ist selten, dass am Markt etwas Spezielles anerkannt wird. Zudem haben die Produkte eine auffallende Gelbfärbung. Das liegt an einem vergleichsweise hohen Beta-Carotingehalt im Weidegras der Region.

In der Region ist die Käserei ein bedeutender Arbeitgeber. 20 Leute sind hier beschäftigt. In der Region haben Betriebe eine Größe von etwa 90 Milchkühen auf 80 ha.

Nach einer einstündigen Busfahrt erreichten wir Kilkenny, wo es dann nach dem Einchecken im Hotel zum Abendessen ging.

2. Tag

3. Station: Ackerbaubetrieb in Grangeford (County Carlow)

Der Landwirt, "Farmer of the year 2014", betreibt zusammen mit seinem Sohn den 770 ha großen Ackerbaubetrieb. 170 ha sind Eigentum, 600 ha sind Pachtfläche. Die Pachtverträge haben eine Laufzeit zwischen 5 und 15 Jahren.

Die Böden in der Region sind sehr furchtbar. Am profitabelsten ist für den Landwirt der Anbau von Weizen. Hier liegen die Erträge bei 100 bis 110 dt/ha. Allerdings gibt es nur wenige Erntetrage im Jahr. Geentet wird in der Regel bei 18-19% Wassergehalt. Das ist ein hoher durchschnittlicher Feuchtewert. Deshalb verfügt der Betrieb über eine Getreidetrocknung. Bisher wurde aber nur in eine ältere gebrauchte Anlage investiert, weil der Betriebslieter unsicher ist, wie sich die Getreidepreise entwickeln werden. Um vom Getreidepreis unabhängiger zu werden, investiert er demnächst auch in Schweinemast.

Weitere neue Projekte:

  • Biogas zur Kraftstofferzeugung durch externe Investoren
  • 12 ha hat der Landwirt an einen geschlossenen Fonds verpachtet: hier stehen Photovoltaikanlagen

In der Region wird auch viel Gemüse angebaut. Der Landwirt sagt, dass er hier ebenfalls einsteigen will und hat bereits mit dem Anbau von Kartoffeln gestartet. Er hat sich hierfür einen erfahrenen Partner gesucht. Das gibt ihm Sicherheit und senkt seiner Ansicht nach das unternehmerische Risiko. Hierdurch verspricht er sich einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.

Im Mittel der Jahre liegen die Niederschläge in der Region bei 850 mm. Der Landwirt sagt, auch er hat mit dem Klimawandel zu kämpfen. Und er rechnet seit Anfang Juni aufgrund der vorangegangenen Trockenheit mit nur 650 mm Jahresniederschlag. Das wird seiner Ansicht nach in den folgenden Jahren so bleiben, deshalb setzt er zunehmend auf Bewässerung.

Der Landwirt arbeitet viel mit deutschen Maschinen (Lemken, Amazon, Claas, Horsch, Fendt) und lobt hierbei besonders die Qualität und den hohen technologischen Standard.

Der Betrieb hat keine festen Arbeitskräfte und zahlt dem mitarbeitenden Sohn 12 €/h netto. Die Nebenkosten übernimmt der Betrieb. Aushilfskräfte bekommen 10 €/h netto.

Der Betriebsleiter ist Mitglied in einem Arbeitskreis von Teagasc. Der Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen ist für ihn von großem Wert.

Ein Rundgang über das Betriebsgelände erweckte den Anschein, als ergäben sich aus der doch eher großzügigen Umsetzung von EU-Verordnungen gewisse Wettbewerbsvorteile.

4. Station: Besuch des Futtermischwagenherstellers Keenan in Borris (County Carlow)

Der Betrieb besteht seit 30 Jahren und hat 150 Angestellte. Vor einiger Zeit wurde Keenan von der Altec Group, einem global tätigen Konzern mit etwa 5.000 Mitarbeitern übernommen. Ein Vorteil der Zusammenführung besteht darin, dass die Produkte über neue Vertriebsstrukturen jetzt auch nach Asien vermarktet werden können.

Mischwagen von Kennan schneiden die Pflanzenfasern, sie reißen diese nicht. Das verringert bei den Rindern den Pansendurchsatz, verbessert die Futterverwertung, führt zu mehr Futtereffizienz und einer besseren Pansengesundheit. Wichtig ist zudem, dass nicht zu kurz gehäckselt wird. Ausreichend Struktur im Grundfutter ist postiv für die Tiergesundheit! In Irland werden wegen des hohen Exportanteils und den dadruch bedingt hohen Transportkosten bevorzugt Tiere mit geringer Milchleistung und dafür mit hoher Konzentration an wertvollen Inhaltsstoffen gehalten.

Keenan bietet einen Futterberatungsservice mit dem Namen InTouch an. Der Service beinhaltet eine Datensammlung, also eine Dokumentation, eine Auswertung mit Rückgabe der Ergebnisse an den Landwirt. Die Firma biete ihren Kunden damit einen Mehrwert, weil vergleichbare Serviceangebote bisher noch nicht sehr verbreitet sind.

Geplant ist der Einsatz von NIRS-Technologie zur Bestimmung von Rohfasergehalten.

Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung gab es eine Mittagessen in der Kantine von Keenan.

5. Station: Besichtigung des Kilkenny Castle

Kilkenny ist eine mittelalterliche Stadt. Kilkenny Castle wurde von 1195 bis 1213 errichtet. Es war über viele Jahrhunderte bis in die 70-er Jahren in privatem Besitz. Bei einer Führung haben wir erfahren, dass die Anlage mit ursprünglich vier starken Ecktürmen und dem zum Teil erhaltenen Burggraben ein zentraler Bestandteil der Verteidigungsanlagen der Stadt war und als Zeichen für die Präsenz der Normannen in Irland galt. Das Schloss wurde 1967 in verfallenem Zustand für einen symbolischen Preis von 50 Pfund an den irischen Staat verkauft. Dieser hat es aufwändig renoviert und es ist heute zusammen mit den dazugehörigen Garten- und Parkanlagen für Besucher geöffnet.

Am Anschluss an die Schloßbesichtigung konnten die Teilnehmer die Stadt auf eigene Faust erkunden und haben sich zum Abendessen wieder in einem Restaurant getroffen.

3. Tag

6. Station: Besuch der staatlichen Forschungsanstalt "Moorepark"

An dem Standort arbeiten 30 Festangestellte und 50 Doktoranden. An der Forschungseinrichtung werden regelmäßig Berater geschult. Außerdem finden Lehrgänge für Landwirte statt.

Wir wurden von einigen Wissenschaftlern empfangen, die uns insbesondere Projekte zu Tiergesundheit und Milchqualität vorstellten. Bei einem Besuch von Weideflächen des an die Forschungseinrichtung angegliederten Versuchsbetriebs konnten wir uns zu Grünlandforschung informieren.

7. Station: Besuch eine Milchviehbetriebes in Ballynoe (County Cork)

Der Betriebsleiter erzählte uns, dass er den Betrieb 2008 mit 120 Milchkühen übernommen hat. Nach der Fusion mit dem Betrieb seines Onkels konnte er den Viebestand bis heute auf 260 Stück aufstocken. Er plant für die nächsten Jahre den Bestand weiter bis auf 400 Stück zu erhöhen. Es handelt sich um einen Betrieb mit 140 ha Grünland. Hiervon sind 100 ha Wiesen um die Hofstelle arrondiert. Bei einem Spaziergang quer über die weitläufigen Weideflächen gab er uns weitere Informationen zu seinem Graslandmanagement (ca. 285 Tage Weidesaison), seinem dazu passenden Minimalstallsystem mit Swing- Over-Melkstand und der saisonalen Abkalbung.

Weil keine ganzjährige Abkalbung besteht, sind am Betrieb geregelte Arbeitszeiten möglich. Die Weideflächen werden alle 10 Jahre neu angesät, weil sich im Laufe der Zeit die Zusammensetzung der Gräser ungünstig entwickelt und hierdurch die Ertragsleistung sinkt. Hierbei wird zunächst mit dem Totalherbizid "Round up" behandelt, und anschließend Weidelgras mit etwas Weißklee gesät.

Am Ende des Rundgangs besichtigten wir noch ein Minimalstalllösung ohne Dach.

8. Station: Stadtführung durch Cork

Nach einer einstündigen Busfahrt Richtung Süden erreichten wir die Stadt Cork, nahe der irischen Südwestküste. Mit 125.000 Einwohnern handelt es sich um die zweitgrößte Stadt, eine Universitätsstadt, deren Innenstadt auf einer Insel im Fluss Lee liegt. Durch den Seehafen Cork Harbour ist sie mit dem Meer verbunden. Bei einem Stadtrundgang zeigte uns ein Führer die wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Zum anschließenden Abendessen gabe es dann für alle "Irish Stew". Irish Stew ist ein Nationalgericht, ein irischer Eintopf, bei dem Hammelfleisch der markante Hauptbestandteil ist.

4. Tag

9. Station: Jameson Whiskey Distillerie

Nach der Übernachtung in Midleton ging es morgens zu einer Tour durch die Jameson Whiskey Distillerie. Die Brennerei wurde vor 200 Jahren in Dublin geründet. Die Produktion wurde dann vor etwa 40 Jahren weiter südlich nach Midleton verlegt. Bei einer Führung über das Gelände wurden uns die einzelnen aufwändigen Arbeitsschritte bis zum fertigen Whiskey gezeigt und erläutert. Im Anschluss daran gab es eine Whiskeyprobe und -verkostung.

Die Weiterfahrt führte uns entlang enger Straßen. Auf dem Weg war immer wieder Maisanbau unter Folie zu sehen. Folie fördert die Bodenerwärmung und damit die Pflanzenentwicklung im Frühjahr. Die verwendete Folie ist biologisch abbaubar und braucht nicht geborgen und entsorgt zu werden.

10. Station: Agricultural catchment programme Timoleague

In einem Hörsaal des Clonakilty Agricultural College erzählte uns der zuständige Berater die Hintergründe des "Agricultural catchment programme". Das Gebiet umfasst 750 ha (85% Grünland).

Mit dem Wegfall der Milchquote in 2015 hatte die Intensität der Produktion und damit einhergehend die Gewässerbelastung stark zugenommen. In sechs Regionen Irlands wurden daraufhin Wassereinzugsgebiete bestimmt, in denen die Wasserqualtität an Messtationen überwacht wird. Ziel dieses Monitoring in Zusammenarbeit mit den Landwirten ist es, die Wasserqualität der irischen Oberflächengewässer und des Grundwassers zu verbessern. In Abhängigkeit der Wasserqualität werden Bewirtschaftungsauflagen festgelegt. Bei Verstößen wird die Förderung gekürzt. An dem Programm nehmen 300 Betriebe aus der Region teil.

Im Anschluss an die theoretischen Ausführungen konnten wir die Messstation an einem Bach besichtigen, der direkt an landwirtschaftliche Nutzflächen angrenzt.

11. Station: Fischerdorf Kinsale und Charles Fort

Der Nachmittag stand den Teilnehmern bei schönstem Sonnenschein zur Besichtigung des Fischerdorfes zur freien Verfügung. Alternativ konnten sie an einer Führung durch das naheliegende Charles Fort teilnehmen. Dies ist eine Festung, die an der Kinsale Bucht direkt am Wasser liegt. Das Fort spielte während der Belagerung von Kinsale im Jahr 1690 eine wichtige Rolle. Später wurde das Fort mehrere hundert Jahre lang als Kaserne der britischen Armee verwendet.

5. Tag

12. und 13. Station: Dublin und Giunness Storehouse

Nach einer 2,5 stündigen Busfahrt - während unseres Irlandaufenthaltes regnete es in dieser Zeit das einzige Mal - trafen wir eine Stadtführerin in Dublin, die uns bei einer Busrundfahrt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt näher brachte. Wir stiegen aus, und besichtigten traditionelle Hausfassaden. Danach besichtigten einige Teilnehmer noch das Guinness-Storehouse und die anderen erkundeten die Stadt auf eigene Faust.

Am Nachmittag war unsere Lehrfahrt zu Ende und wir flogen zurück nach München. Ein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle noch an Frau Isabella Lorenzini (LfL-ILT), die zum besseren Verständnis die Berichte der besuchten Betriebe und Institutionen für die Teilnehmer der Exkursion vom Englischen ins Deutsche übersetzt hat!

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