Dienstag, 16. Juli 2024
Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V.

PRAXISTAG BEWÄSSERUNG

Verantwortungsbewusste Wasserbeschaffung und Bewässerung in Hotspot-Regionen

Donnerstag, 21. März 2024 am Landwirtschaftsbetrieb Remlinger Rüben / Lkr. Würzburg

Der Anbau von gartenbaulichen Kulturen und Kartoffeln ist ohne Zusatzwasser häufig nicht möglich. Allerdings ist die Landwirtschaft in Bayern zum Teil massiv von Wasserknappheit betroffen. Am Praxistag Bewässerung zeigten innovative Landwirtschaftsbetriebe, wie sie mit den regionalen Herausforderungen rund um die Bewässerung umgehen. Teilnehmer hatten die Möglichkeit, diese Pioniere näher kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Der Praxistag Bewässerung fand am Landwirtschaftsbetrieb der Famile Schwab / Remlinger Rüben statt.
Der Praxistag Bewässerung fand am Landwirtschaftsbetrieb der Famile Schwab / Remlinger Rüben statt.

Remlingen - In kaum einer bayerischen Region lässt sich mehr über Landwirtschaft und Gartenbau im Klimawandel lernen, als in Unterfranken. Die steigenden Temperaturen und anhaltenden Trockenphasen bei insgesamt geringen Niederschlägen haben hier früher als anderswo zu Herausforderungen im Acker- und Gartenbau geführt - Herausforderungen, denen mittlerweile mit innovativen Techniken und Konzepten begegnet wird. Der Praxistag Bewässerung am 21.03.2024 unter dem Titel "Verantwortungsvolle Wasserbeschaffung und Bewässerung in Hotspot-Regionen" hatte zum Ziel, den Erfahrungsaustausch zu Anbausystemen und technischen Innovationen anzuregen. Veranstalter waren die Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V. (ALB), das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg (AELF) und die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Am Veranstaltungsort, dem Bioland-Betrieb Remlinger Rüben im südwestlichen Landkreis Würzburg, boten Gastgeber Thomas Schwab und Tochter Selma Raum für Kurzvorträge, Maschinenpräsentationen, Ausstellungen und eine regionale Verköstigung für die Teilnehmer.

Über 200 Personen aus verschiedenen Bundesländern sowie der Schweiz und Luxemburg hatten sich zur Veranstaltung angemeldet, teilte Herr Müller von der ALB bei seiner Begrüßung mit. Einleitend informierte er zur klimatischen Entwicklung in der Region und den daraus resultierenden Konsequenzen. Zum einen würden insbesondere die hohen und über die Jahre weiter ansteigenden Temperaturen zu einem immer höheren Bewässerungsbedarf führen. Zum anderen hätten die steigenden Temperaturen in Kombination mit geringen Jahresniederschlägen eine rückläufige Grundwasserneubildung zur Folge, weshalb in der Region immer weniger Grundwasser für die Bewässerung zur Verfügung stünde. Hr. Müller zeigte die zwei Handlungsfelder auf, die sich daraus für die Landwirtschaft ergeben: Einerseits ermöglichten pflanzenbauliche und bodenverbessernde Maßnahmen eine gewisse Reduktion des Bewässerungsbedarfs; andererseits könne durch die richtige Wasserbeschaffung, -speicherung und Bewässerungstechnik effizient mit den zur Verfügung stehenden Wassermengen umgegangen werden.

BERICHTE AUS DER PRAXIS

Praxisberichte gab es in einer Lagerhalle für Kartoffeln.
Praxisberichte gab es in einer Lagerhalle für Kartoffeln.
Gastgeber Thomas Schwab
Gastgeber Thomas Schwab

Als ersten Praxisbericht stellte Geschäftsführer Thomas Schwab den Gastgeber-Betrieb vor. Der Hof in Remlingen vereint Landwirtschaft und Vermarktung für Bio-Gemüse und Kartoffeln. Auf dem viehlosen Acker- und Feldgemüsebau-Betrieb wird seit 1993 nach Bioland-Richtlinien gewirtschaftet. Der Vertrieb der eigenen Produkte, nämlich Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln erfolgt über die Remlinger Rüben GmbH & Co. KG, dem angegliederten Abpack-Betrieb. Außerdem wird hier die Ware von 20 regionalen Bio-Landwirten gebündelt und vermarktet.

Seit der extremen Trockenheit 2003 beschäftigt sich der Betrieb mit Lösungsansätzen für die Klimaveränderungen, um den Zusatzwasserbedarf für Gemüse- und Kartoffelbau zu decken. Da die eigenen Brunnen geringe Schüttung aufweisen, dienen zwei Erdfolienbecken zur Zwischenspeicherung und eine Hofzisterne zum Auffangen von Dachwasser mit einem Gesamtvolumen von 13.600 m³ zu Bewässerungszwecken. Mittels Tropfbewässerung werden ca. 30 ha Möhren, Zwiebeln und teilweise Kartoffeln sparsam mit Wasser versorgt. Abgerundet wird das effiziente Wassernutzungs-Konzept durch ein Wasserrecycling für die Möhren-Waschanlage.

Tropfbewässrung zu Karotten am Landwirtschaftsbetrieb Remlinger Rüben
Tropfbewässrung zu Karotten am Landwirtschaftsbetrieb Remlinger Rüben

Da im biologischen Anbau mit Hackmaschine, Jäteflieger und Abflammgerät gearbeitet wird, sei es unerlässlich, dass die dünnwandigen Einwegschläuche vollständig mit Erde bedeckt sind. Außerdem seien sie dadurch vor Tieren auf der Suche nach Wasser deutlich besser geschützt. "Eine Krähe macht die Schläuche an der Oberfläche kurz und klein", sagt Schwab. Die Verfahrenskosten, die Schwab mit rund 1.800 €/ha und Jahr veranschlagt, "muss man in Kauf nehmen", ebenso die etwa 25 Arbeitskraftstunden. Eine Automatisierung sei "undenkbar", Probleme bereiten insbesondere Leckagen, sodass beim Bewässern immer eine Person am Feld sein müsse, um diese zu finden und an Ort und Stelle zu reparieren.

Erosionsschutzstreifen in den Hanglagen wirken dem Bodenabtrag und Wegfließen von Wasser entgegen, Gründüngung und organisches Material auf den Flächen fördern das Bodenleben, den Humusaufbau und dadurch auch das Infiltrationsvermögen. "Aber auch in der Aufbereitung lässt sich Wasser einsparen, etwa durch Wasserrecycling beim Reinigen der Möhren", unterstrich Schwab. Schließlich müsse die wasserrechtlich genehmigte Menge nicht nur das Zusatzwasser für die Felder decken, sondern sämtliches Brauchwasser für den Betrieb.

Obwohl es in den letzten Monaten viel geregnet habe und die Bäche reichlich Wasser führen, sei es ihm bisher nicht gestattet, Oberflächenwasser zu entnehmen und für Trockenzeiten zu speichern. Schwab appellierte an die Behörden, hier zu reagieren.

Remlinger Rüben - Betriebsprofil

  • 100 ha Acker- und Feldgemüsebau
  • 20 ha Kartoffeln, 15 ha Möhren, 10 ha Zwiebeln
  • Lehmig-tonige Böden ermöglichen lange Lagerfähigkeit des Ernteguts
  • 650 mm Jahresniederschlag, klüftige Geologie bedingt geringe Brunnenleistungen
  • Flächentausch mit umliegenden Bio-Landwirten zur Begrenzung des Hackfruchtanteils in der Fruchtfolge
  • Futter-Mist-Kooperation mit viehhaltenden Betrieben und eigene Kompostierung zur Verbessserung von Bodenfruchtbarkeit und Wasserhaltefähigkeit des Bodens Tropfbewässerung:
  • Wasserbeschaffung über drei Brunnen (30-60 m, 0,5-2,5 l/s)
  • Wasserspeicherung in zwei Erdspeicherbecken (6000, 8000 m3) und Hofzisterne (600 m3)
  • Zuleitung zu den Flächen über fliegende Leitungen (Feuerwehrschläuche)
  • Tropfbewässerung mit dünnwandigen Einweg-Tropfschläuchen
  • Flach unterirdisches Verlegen der Tropfschläuche mit Sä-Verlege-Maschine zwischen Doppelreihe mit 75 cm Reihenabstand bei Möhren und Zwiebeln
  • Flach unterirdisches Verlegen der Tropfschläuche in der Dammkrone in einem Arbeitsgang mit dem Anhäufeln bei Kartoffeln
  • Ausreichende Verteilgenauigkeit der Wassergaben durch angepasste Postionierung der Querleitung in unebenem Gelände
  • Tropfschlauchentnahme und -bergung vor der Ernte mit Technik von Andros Engineering
  • Entsorgung des Einweg-Schlauchmaterials über bundesweites Recycling-Programm (Fa. RIGK)

Praxisbericht "Vorstellung des Landwirschaftsbetiebs Remlinger Rüben; Thomas Schwab, Remlingen

Sebastian Sauer
Sebastian Sauer

Sebastian Sauer berichtete von der an seinem Holzäckerhof eigens entwickelten Bewässerungssteuerung für den Anbau von Pfingstrosen. Die Tropfschläuche liegen 25 cm tief in der Erde. Über Schaltschränke im Feld konnten WLAN-Hotspots für eine Datenfernübertragung aufgebaut werden. In der Folge lasse sich nun die Bewässerungstechnik zentral über eine Software am Handy oder Laptop steuern – es muss nicht mehr rausgefahren werden "um den Hahn aufzudrehen". Warnungen bei unerwünschten Druckveränderungen oder niedrigen Füllständen der Tanks ermöglichen ein zeitnahes Eingreifen. Zudem würden alle behördlich geforderten Daten, wie etwa die über Drucksonden in den Brunnen gemessene Wasserspiegel, automatisch ausgelesen und gespeichert. "Wir haben jederzeit einen Überblick über unsere aktuellen Wassermengen", teilte Herr Sauer mit. Ein beachtlicher Vorteil sei seiner Meinung nach auch, dass durch die Entwicklung eines passgenauen Programms mithilfe des eigenen IT-Personals keine umfangreichen Softwarepakete von Fremdfirmen inkl. teurer Updates mehr erworben werden müssten. Zukünftig will man am Holzäckerhof die digitale Anwendung ausreifen und um weitere Module ergänzen.

Andreas Heiss
Andreas Heiss

ALL-IN-ONE GmbH präsentierte mit Andreas Heiß Maschinentechnik für einen wassersparenden Kartoffelanbau von der Bodenbearbeitung, Kartoffellegen, Tropfschlauch einbringen, über die Dammformung bis zur Unterfußdüngung. Herr Heiß führte die Vorteile der Dämme aus, die sich mit dem rotierenden Dammformer schaffen lassen: Ihre breite und oben ebene Form mit geringer Oberfläche fördere das Einsickern von Regenwasser in den Dammkern, reduziere die Verdunstung und halte das Wasser besser im Boden. Gleichzeitig seien die Platz- und Wärmeverhältnisse für das Kartoffelwachstum optimal – Zwiewuchs könne verhindert werden. Die Unterfußdüngung platziere das Nährstoffdepot genau dort, wo es durch gute Wasserverhältnisse am besten pflanzenverfügbar bliebe und dennoch nicht zu einer übermäßigen Nährstoffversorgung führe, da es wegen der hohen Konzentration nicht durchwurzelt werde würde.

Praxisbericht "Wassersparender Kartoffelanbau mit All-in-one-Legetechnik für Bodenbearbeitung, Kartoffellegen, Dammformen, Unterfußdüngung und Verlegen von Tropfschläuchen in einem Arbeitsgang; Andreas Heiß, Landwirt und Technikentwickler, ALL-IN-ONE GmbH in Pförring, Lkr. Eichstätt

MASCHINENPRÄSENTATIONEN RUND UMS PFLANZEN UND BEWÄSSERN

Für die Maschinenpräsentationen waren die Besucher in vier Gruppen aufgeteilt.
Für die Maschinenpräsentationen waren die Besucher in vier Gruppen aufgeteilt.

In Gruppen eingeteilt konnten sich die Teilnehmer an vier Stationen Maschinen für Verlege- und Bewässerungstechnik zeigen lassen. Herr Schwab führte an einer Demonstrationsanlage die im eigenen Betrieb eingesetzte Tropfbewässerung mit Pumpen- und Schlauchsystemen von Netafim vor, inklusive Praxistipps - etwa was beim Heben und Senken der Schläuche durch den Wasserdruck zu beachten ist.

Die Anlage besteht aus einem Filter, der Querleitung und den Tropfschläuchen. Ein Filter vor dem Tropfsystem ist zwingend erforderlich und an die gegebene Wasserqualität anzupassen. Empfehlenswert sind beispielsweise selbstspülende Scheibenfilter. Schwab empfielt, die Querleitung exakt rechtwinklig innerhalb des Schlages zu verlegen und mit Erde zu bedecken. Die Anschlussstellen zwischen Querleitung und Tropfschläuchen sind bedingt durch die Überfahrten empfindlich gegenüber Leckagen. Direkt an den Querverbindungen (Kopfleitung) empfiehlt Schwab daher gegen mechanische Belastungen robuste und bissfeste Schlauchstücke. Der Betrieb setzt auf einjährige dünnwandige Tropfschläuche mit Tropferabstand von 0,2-0,3 m. Diese sollten möglichst unsichtbar verlegt werden, um sie vor Beschädigung etwa durch Vögel oder Füchse zu schützen. Dann ist beispielsweise auch das Abflammen der Kulturen im Vorauflauf möglich. Bis auf die Tropfschläuche sind alle Komponenten der Bewässerungssanlage mehrere Jahre nutzbar.

Maschinenpräsentation "Tropfbewässerung zu einjährigen Kulturen, Demonstrationsanlage; Thomas Schwab, Remlingen

Benedikt Elsäßer
Benedikt Elsäßer

Benedikt Elsäßer vom Betrieb Schwab stellte die Verlege- und Bergetechnik für Tropfschläuche vor. Das Verlegen der Tropfschläuche erfolgt auf dem Gastgeberbetrieb in einem Arbeitsgang mit der Aussaat bei Möhren und Zwiebeln. Dazu wurde die bestehende pneumatische Einzelkornsämaschine vom Betrieb mit schmalen Velegescharen und Abrollvorrichtungen für Tropfschläuche versehen. Die Aussaat erfolgt vierreihig mit 75 cm Reihenabstand und in Doppelreihe. Das Schlauchmaterial wird mittig zwischen die Doppelreihe in ca. 5 cm Tiefe abgelegt. Die Verlegeschare sind paralleogramm-geführt, damit auch bei Unebenheiten im Boden eine zuverlässige Ablagetiefe gewährleistet ist. Die schmalen Verlegeschare beeinflussen das Saatbett nicht, sodass der Bodenschluss gewährleistet ist und mit kleinen Zusatzwassergaben ein optimaler Feldaufgang erzielt werden kann. Sowohl Traktor als auch Anbaugerät sind auf dem Betrieb GPS-gesteuert.

Bei Kartoffeln erfolgt das Einbringen der Tropfschläuche in die Erde während des Häufelns. Dazu wurde am Gastgeberbetrieb die vorhandene Häufeltechnik mit Verlegescharen und Abrollvorrichtungen für Tropfschläuche ausgestattet. Die einfache Verlegetechnik ermöglicht Überfahrten mit 8 km/h. Der Tropfschlauch wird in 5 cm Tiefe in die Dammkrone eingebracht.

Kurz vor der Ernte erfolgt die Tropfschlauchentnahme und -Bergung mit Technik von Andros Engineering. In das vierreihige Entnahmegerät werden die Tropfschlauchenden eingespannt, sodass das Schlauchmaterial nach der Überfahrt entwässert entlang der Reihen aufliegt. Vom Feldrand aus werden die Schläuche dann mit einem Wickelgerät zu komprimierten Rollen aufgewickelt und sind somit bereit für die Zuführung zum Recycling.

Maschinenpräsentation "Verlege- und Bergetechnik / Tropfbewässerung"; Benedikt Elsäßer, Remlingen

David Egbers
David Egbers

Die Pflanzmaschine MulchTec-Planter, entwickelt von der live2give GmbH, wurde von David Egbers aus Oberaltertheim präsentiert. Über den MulchTec-Planter wird erst die Mulchbedeckung mit Hilfe eines elektronischen Schneidewerks geöffnet, die Pflanze über das Pflanzschar eingesetzt und die Furche über die Andruckrollen wieder geschlossen. Tropfschläuche für die spätere Bewässerung werden dabei wurzelnah mitverlegt. Das Verfahren eignet sich für viele Pflanzkulturen. Es dient dem Erosionsschutz sowie dem Schutz vor Verdunstung direkt über die Bodenoberfläche.

Maschinenpräsentation "MulchTec-Planter"; David Egbers, Oberaltertheim

Martin Schlereth
Martin Schlereth

Martin Schlereth aus Unterpleichfeld zeigte die in seinem Biogemüsehof eingesetzte Pflanzmaschine von Ferrari für das Setzen von Zucchini mit gleichzeitigem Angießen. Die oberflächliche Wassergabe unmittelbar nach dem Pflanzen ist vor allem bei Kulturen in abbaubarer Mulchfolie sinnvoll - ohne Mulchfolie würde das Wasser über die Bodenoberfläche zu schnell verdunsten. Gaben in Höhe von 0,3 Liter je Pflanze sickern tief genug, um den Pflanzenwurzeln schnellen Zugang zu tieferen Bereichen mit ergiebiger Frühjahresbodenfeuchte zu ermöglichen, sodass nach dem Pflanzen auf eine weitere Angießbewässerung verzichtet werden kann. Für Speedy-Jungpflanzen steht ein anderes Verfahren zur Verfügung, bei dem zunächst im Pflanzschar gewässert und die Pflanze nass in den Boden eingebracht wird. Da bei diesem Verfahren die Gabe tiefer im Boden platziert ist und darüber trockener, krümeliger Boden flächig als Verdunstungsschutz wirkt, kann in diesem Fall auf eine Abdeckung mit Mulchfolie verzichtet werden.

Maschinenpräsentation "Pflanzmaschine für Zucchini mit Angießvorrichtung / Einzelwassergabe beim Pflanzvorgang"; Martin Schlereth, Unterpleichfeld

Mittagspause / Besuch von Infoständen und Technikstationen

Die regionale Verköstigung der Teilnehnmer erfolgte durch den Betrieb Schwab.
Die regionale Verköstigung der Teilnehnmer erfolgte durch den Betrieb Schwab.

Während der ausgiebigen Mittagspause konnten sich die Teilnehmer mit einem köstlichen Kartoffelgericht stärken und darüber hinaus die Zeit für regen Austausch und einen Besuch der Aussteller in der Nachbarhalle nutzen. Vertreten waren die Firmen Bauer GmbH, Hubertus Beutler GmbH, BayWa, NETAFIM, WEENAT, Beinlich, FASTERHOLT und Schwarz.

Der Praxistag erfogte im Rahmen des Bewässerungsforum Bayern. Aktuelle Beratungsblätter des Forums lagen zur Ansicht und zum Mitnehmen aus. Zudem präsentierten mehrere namhafte Aussteller während der ausgiebigen Mittagspause Bewässerunstechnik, Steuerungstechnik sowie weitere Dienstleistungen rund um die Bewässerung.
Der Praxistag erfogte im Rahmen des Bewässerungsforum Bayern. Aktuelle Beratungsblätter des Forums lagen zur Ansicht und zum Mitnehmen aus. Zudem präsentierten mehrere namhafte Aussteller während der ausgiebigen Mittagspause Bewässerunstechnik, Steuerungstechnik sowie weitere Dienstleistungen rund um die Bewässerung.

Aussteller

  • Microbewässerungssysteme und digitale Lösungen - Fa. BayWa

  • Microbewässerungstechnik und M.O.M Maschinen zum Verlegen und Bergen von Tropfschläuchen, Folien und Fließen Fa. Schwarz / Netafim

  • Sensortechnik, Fa. Weenat

    Robuste Technik zur Entnahme der Tropfschläuche aus dem Boden am Landwirtschaftsbetrieb Remlinger Rüben
    Robuste Technik zur Entnahme der Tropfschläuche aus dem Boden am Landwirtschaftsbetrieb Remlinger Rüben

  • Energieeffziente Pumpensteuerungstechnik, Tropfbewässerung, Düsenwagen, GPS-Gesteuerte Sektorregenkanone, Fa. Bauer

  • Wasserspeicher: Speicherteiche, Stahlbehälter, PE-Tanks, Fa. Hubertus Beutler

  • Beregnungsmaschine mit Maschinenvorschub (Beregnungsrohr kann in Kurven ausgelegt werden; Beregnungsmaschine fährt beim Beregnungsgang entlang des Rohrs - auch in Kurven); in Kombination mit Raindancer bis zu 50% Arbeitszeitersparnis, Fa. Fasterholt

  • Düsenwagen mit gezielter (nicht flächiger) Beregnung entlang der Pflanzenreihen mittels Düsen, Brausen oder Glocken, Fa. Beinlich

KURZVORTRÄGE TEIL 1 - ÄMTER UND BERATER INFORMIEREN

Claudia Taeger
Claudia Taeger

Im Rahmen der Kurzvorträge am Nachmittag gab Claudia Taeger vom AELF Kitzingen-Würzburg einen Überblick über die Priorisierung bei der Genehmigung von Wasserrechten. Nur wer kein Oberflächen- und Niederschlagswasser nutzen kann, darf auf oberflächennahes Grundwasser zugreifen. Dabei gilt nach den Maßgaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt ein 30%-Kriterium: 30% der Grundwasserneubildung aus Niederschlag auf den eigenen Flächen kann für Bewässerung entnommen werden. Bei niedrigen Grundwasserneubildungsraten von weit unter 100 mm pro Jahr, wie sie hier in der Region vorliegen, führt das allerdings zu steigender Flächenkonkurrenz und hohen Pachtpreisen. Frau Taeger hob besonders hervor, wie wichtig es sei, frühzeitig an die Wasserbeschaffung zu denken, rechtzeitig auslaufende Wasserrechte zu erneuern und die im Bescheid festgesetzten Auflagen einzuhalten. "Halten Sie Ihre Wasserbescheide immer aktuell - eine ungenehmigte Wasserbeschaffung ist mindestens eine Ordnungswidrigkeit. Es ist die Aufgabe der Betriebsleiter, für Wasser ebenso vorausschauend zu planen wie für neue Maschinen und andere Produktionsmittel", so Taeger.

Kurzvortrag "Wasserentnahme aus gartenbaulicher Sicht; Claudia Taeger, Kitzingen

Andres Römert
Andres Römert

Die große Verantwortung der Landwirte unterstrich auch Andreas Römert von der Demeterberatung in Unterfranken. Die um das Doppelte höhere Versickerungsrate im Ökolandbau, verglichen mit konventioneller Bewirtschaftung, sei eine Folge der richtigen Bodenbearbeitung und Humusaufbau. Dieser könne das 5-fache seines Gewichts an Wasser aufnehmen. Römert stellte beispielhaft zwei bewährte Fruchtfolgen dar, die auf seinem Biohof im Werntal Anwendung finden, und gab einen Ausblick in die Zukunft: Zeitnah sollen auch hier Bewässerungsbecken und Energiespeicher eingerichtet werden.

Kurzvortrag "Maßnahmen zur Förderung der Wasserspeicherfähigkeit von Böden; Andreas Römert, Egenhausen

Dr. Martin Oberle
Dr. Martin Oberle

Innovative Ideen verfolgt auch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) mit dem Institut für Fischerei in Höchstadt a. d. Aisch. Von dort waren Dr. Martin Oberle und Dr. Jan Másilko angereist, um über ein neues Projekt zur Bewässerungsteichwirtschaft zu berichten. An drei Versuchsstandorten (Erlangen-Höchstadt, Schwandorf und Roth) wurden vorhandene Karpfenteiche in ihrem Speichervolumen erhöht (Aufdämmung bzw. Ausbaggern), um neben der Karpfenzucht auch einen Wasservorrat zur Bewässerung zu schaffen. Es werden unterschiedliche Feldfrüchte mit dem Teichwasser bewässert, Meerrettich, Kartoffeln und Hopfen. Der Karpfen trage durch das Fressen von Wasserlinsen und Schädlingen zu einer guten Wasserqualität bei, das Aufwühlen des Schlamms und die damit einhergehende Trübung haben einen kühlenden Effekt. Untersuchungen auf Escherichia coli, Enterokokken oder die Schleimkrankheit bei Kartoffel bescheinigen eine zufriedenstellende Wasserqualität für den Sonderkulturanbau. Für die Zukunft erhofft sich die LfL einen breiteren Einsatz der Bewässerungsteichwirtschaft in Bayern. Dies soll über einen Leitfaden für Behörden und Landwirte unterstützt werden, der momentan in Planung ist.

Kurzvortrag "Bewässerungsteichwirtschaft; Dr. Martin Oberle, und Dr. Jan Másilko, Höchstadt

Christian Landzettel
Christian Landzettel

Christian Landzettel, Bioland-Anbauberater weiß um die zeitlichen Erfordernisse von ausreichend Wasser im Kartoffelanbau: "Ausreichend Wasser zur richtigen Zeit ist für den Nährstofftransport und die Nährstoffaufnahme essenziell. Fehlt das Wasser beim Krautwachstum der Kartoffelpflanze, bilden sich lichte Bestände aus, die es später kaum vermögen Damm und Krone zu beschatten und vor Hitze zu schützen." Deformierte Knollen, Zwiewuchs, Rauhschaligkeit, Wachstumsrisse oder Hohlherzigkeit können mit gut geplanter Bewässerung vermieden werden. Zwar gäbe es auch bei der Tröpfchenbewässerung Nachteile, wie etwa die hohen Kosten oder das Risiko von Leckagen, das Wasser werde aber direkt in den Dammkern und damit an den Ort des Bedarfs gebracht, Verluste durch Verdunstung und Sickerwasser seien minimal, durch regelmäßige und kleinere Gaben ließen sich die Schwankungen der Bodenfeuchte gering halten und der Anschluss an das Kapillarwasser sei durch die ergiebige Tiefenwirkung mit Tropfbewässerung gut zu gewährleisten.

KURZVORTRÄGE TEIL 2 - GEMEINSAM GEHT MEHR

Ernst Schuhmann
Ernst Schuhmann

Den zweiten Teil der Vorträge eröffnete Ernst Schuhmann als Vertreter der Interessensgemeinschaft in Rain a. Lech. Im Landkreis Donau-Ries haben sich 53 Anbauer zusammengeschlossen, die rechtlich weder einen Verband noch einen e. V. darstellen. Ziel ist es, Herausforderungen, die mit dem Aufbau einer Bewässerungsinfrastruktur einher gehen, gemeinsam zu lösen – beispielsweise wurde ein hydrogeologisches Gutachten mit Bilanzstudie in Auftrag gegeben und Unterstützung durch den Bauernverband, die ALB, das WWA oder das Landratsamt zentral eingeholt. Bis auf weiteres sei in dieser Region kein Bau von Speicherbecken geplant, die Schüttungen der Brunnen mit einer Ausbautiefe von 6-12 m reichten für eine direkte Bewässerung aus.

Kurzvortrag "Aufgaben, Ziele und Herausforderungen der Interessensgemeinschaft der Brunnenbetreiber auf der Rainer Hochterrasse; Ernst Schuhmann, Rain a. Lech

Christian Hennings
Christian Hennings
Anstauung von wasserabführenden Gräben während der Sommermonate im Einflussbereich des Beregnungsvereins Schwebheim
Anstauung von wasserabführenden Gräben während der Sommermonate im Einflussbereich des Beregnungsvereins Schwebheim

Dass gemeinsam oft mehr geht, demonstrierte auch Christian Hennings, Mitglied im Beregnungsverein Schwebheim. Der Ort südlich von Schweinfurt wird nicht umsonst "Apothekergärtlein Frankens" - genannt: Dort baut man seit etwa 100 Jahren auf 100 ha über 25 Heilpflanzen an, zur Hälfte in Bioqualität. Aufgrund geringer Niederschläge gehe das nicht ohne Bewässerung. Der Beregnungsverein hat im Rahmen einer ökologischen Flurbereinigung ein außergewöhnliches System etabliert, das neben der Bereitstellung von Bewässerungswasser gleichzeitig die Wasserführung des Unkenbachs und die Gewässerökologie in der heißen Jahreszeit stärken soll.

Kurzvortrag "Erfahrungen zum Wassermanagement im Einflussbereich des Beregnungsvereins Schwebheim; Christian Hennings, Schwebheim

Claudia Taeger vom AELF informierte auch zu Förderungsmöglichkeiten über das Bayerische Son-derprogramm Landwirtschaft (BaySL Digital). Unter anderem werden Sensoren, digitale Steuerungs- und Monitoringsysteme gefördert. Ausgeschlossen sei aber die Bewässerung unter Schutzabdeckungen und eine Förderung bei Verwendung von Starkregnern. Taeger empfiehlt, im Vorfeld zum zuständigen AELF Kontakt aufzunehmen, da die Antragsstellung online erfolgen muss. Der Fördersatz liegt bei 40 % der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximale Zuwendungen im Bereich Bewässerung sind 12.000 €, die auch in mehreren Anträgen abgerufen werden können.

Kurzvortrag "Aktuelle Fördermöglichkeiten bei Bewässerungstechnik; Claudia Taegber, Kitzingen

BESICHTIGUNG EINES ERDSPEICHERBECKENS

Mit der Besichtigung eines der Erdspeicherbecken von Herrn Schwab wurde die Veranstaltung abgerundet. Vor Ort berichteten Landwirt Schwab und Bauunternehmer Beutler vom Bau und Betrieb des Beckens und den Vorteilen einer Auskleidung mit PE-Folie. Im Gespräch mit Dr. Oberle wurde nochmals auf den möglichen Einsatz von Karpfen eingegangen.

Das besichtigte Erdspeicherbecken wurde 2015 errichtet und fasst 8000 m3. Erdaushub, fachgerechte Verdichtung und der Aufbau des Erdwalls um das Becken erfolgten bei dem vorherrschenden lehmig-tonigen Boden problemlos. Zwei verschiedene Folien dichten das Becken ab, ein darunterliegendes dickes Geotextil schützt vor Lecks. Durch die Tiefe des Beckens von maximal 5 m ist das Wasser meist das ganze Jahr über klar. Wenn sich das Becken im Sommer leert, kann es kurzfristig zu Veralgung kommen.

Die Schüttung der vorhandenen Brunnen ist für eine direkte Bewässerung zu gering, so dass am Betrieb Remlinger Rüben zwei Erdfolienbecken zur Zwischenspeicherung gebaut wurden. Das besichtigte Becken fasst 8.000 Kubikmeter Wasser.
Die Schüttung der vorhandenen Brunnen ist für eine direkte Bewässerung zu gering, so dass am Betrieb Remlinger Rüben zwei Erdfolienbecken zur Zwischenspeicherung gebaut wurden. Das besichtigte Becken fasst 8.000 Kubikmeter Wasser.

Das Erdspeicherbecken wird von einem Brunnen gespeist. Über eine kommunizierende Röhre, welche sich auf dem Grund des Beckens befindet, erfolgt der Zulauf des Wassers bzw. der Ablauf zu Bewässerungszwecken. Ein 22 kW-Dieselaggregat steht für den Betrieb der Tropfbewässerung zur Verfügung. Zukünftig wünschenswert wäre für Schwab eine photovoltaik-betriebene Pumpe am Speicherbecken für die Tropfbewässerung seiner Kulturen aus erneuerbaren Energien.

FAZIT

Es gibt Potenziale bei der Wassereffizienz, das haben alle Praktiker und Vertreter an diesem Tag bewiesen. Aber es ist immer ein Lernprozess, der Technikeinsatz und Kulturführung gleichermaßen betrifft - und das erfordert Zeit. Standardlösungen sind für unsere Vielfalt an Sonderkulturen und regional unterschiedliche Rahmenbedingungen nicht verfügbar. Es braucht die Erfahrung und auch die Risikobereitschaft der Betriebsleiter, um sich umzustellen. Es braucht aber vor allem auch den Austausch und die Zusammenarbeit untereinander, damit die Branche als Ganzes profitieren kann. Dass auch das funktioniert, haben die Teilnehmer am Praxistag Bewässerung gezeigt.

Freising, im März 2024

Julia Weiß - WWA Nürnberg,
Claudia Taeger AELF Kitzingen-Würzburg,
Selma Schwab - Remlingen,
Martin Müller - ALB


Der Praxistag Bewässerung erfolgte im Rahmen des Bewässerungsforum Bayern.

Veranstalter

  • Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V. (ALB)
  • Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg (AELF)
  • Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG)

Kooperationspartner

  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
  • Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)
  • Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)
  • Bayerische Wasserwirtschaftsämter (WWA)
  • Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP)
  • Kuratorium der Bayerischen Maschinen- und Betriebshilfsringe (KBM)
  • Bioland Erzeugerring Bayern e.V.
  • Naturland Erzeugerring Bayern e.V.
  • Biokreis Erzeugerring Bayern e.V.
  • Demeter Erzeugerring Bayern e.V.

Finanzielle Förderung

  • Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF)
  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV)